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Stoffe Farben Kleidung Kleiderordnung Soziale Schichten Die Zahlungsmittel Der Umgang miteinander Krankheiten des Mittelalters Heilkunst Spiele des Mittelalters Der Zeitraum des Mittelalters |
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Und hier noch eine kurze Stoffkunde um
euch die Auswahl beim Einkauf zu vereinfachen. |
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Hier noch eine kleine Farbenkunde um die Auswahl zu vereinfachen. Im Mittelalter konnte man auch durch die Verwendung
teurer Farben seinen Status zeigen. Das einfache |
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| Brauntöne:
Die
Färbung mit Naturfarben war im einfachen Volk verbreitet da die "Farbstoffe"
z.B.Nußschalen preiswert und somit erschwinglich waren. Blautöne: Waren die beliebteste Farben, da sie preiswert mit heimischen Färbemitteln herzustellen waren. Zum Beispiel mit Färberwaid. Ein Strauch, der die Färber in Bottichen gären und stampfen mussten, um ihm den Farbstoff zu entziehen. Zum Färben mit dem Färberwaid braucht man jede Menge Urin, deswegen stank es in Blau-Färbereien fürchterlich. Purpur: Purpur war eine Farbe nur für Kaiser, Könige oder Kardinäle. Niemand sonst durfte purpurne Kleidung tragen. Purpur war so besonders, weil die Herstellung extrem schwierig ist. Die einzigen, die den perfekten Purpur herstellen konnten, waren die Phönizier, ein Volk von Seefahrern und Händlern. Sie wussten, wie aus der Purpurschnecke, einer Meeresschnecke, diese ganz besondere Farbe gewonnen werden konnte. Purpurschnecken geben nur zwei Tropfen Farbstoff ab. Das machte die Arbeit sehr mühsam. Außerdem stank es in Purpurfärberein so fürchterlich nach verfaultem Fisch, dass sie weit ab aller Städte standen. Wochenlang wurde der Schneckenbrei erst zum Verfaulen gebracht, dann abgeseit und gekocht. Danach kamen die Tücher hinein, die gefärbt werden sollten. Waren diese lang genug in der stinkenden Brühe eingeweicht, wurden sie an der Sonne getrocknet und erst jetzt kam die Farbe zum Vorschein. Rottöne: Waren bei den Adeligen schon von altersher durch ihre Blutsymbolik sehr beliebt. Rot war schon relativ preiswert als Krapprot zu erhalten und wurde auch von der einfachen Bevölkerung verwendet. Gewonnen wurde es aus der Krapp-Pflanze, ein stacheliger Verwandter des Waldmeisters. Der Krapp hat in seiner Wurzel einen roten Farbstoff. Damit wurden lange Zeit fast alle roten Kleider gefärbt. Das edelste Rot, das Spanisch-Rot. Es wird aus dem Blut der Koschenille-Schildläuse gewonnen. Diese Verwandten der Blattläuse leben auf Kakteen. Die Spanier hatten diese Läuse bei der Eroberung Südamerikas gefunden. Gelbtöne: Leuchtendes Gold-Gelb wurde auch vom Adel getragen, während fahles Gelb in einigen Landstrichen zur Kennzeichnung sozialer Außenseiter diente (z.B. Juden und Prostituierte). Grüntöne: Waren in der Regel sehr teuer, da sie Mischfarben waren und in der Farbensymbolik eher jungen Menschen vorbehalten waren Schwarz: Wurde fast nur vom niederen Klerus getragen, kam aber Ende des 14. Jhd. auch bei Kaufleuten und anderen "bessergestellten" Bevölkerungsschichten in Mode |
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Alle Farben waren durchaus recht kräftig, so daß das
Strassenbild im Mittelalter |
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Unterbekleidung Im 12. Jh. begann sich die Mode im höfischen Bereich zu ändern. Hatte bisher der knielange Kittel vorgeherrscht, der in Europa seit den Eroberungen durch die germanischen Stämme überall getragen wurde, so begann nicht nur die Kleidung des Mannes an Länge zuzunehmen. Zum Beginn des 13. Jh. trat die Gewandung des höfischen Herren gemeinhin als knöchellang entgegen, während die Säume der Damen nun wallend auf dem Boden auflagen. Dieses resultierte nicht nur aus der wieder entdeckten Anlehnung an die antiken Traditionen, sondern auch aus dem sich allmählich entwickelten Standesbewusstsein des Adels. Doch wie sahen sie aus, die Damen und Herren der höfischen Gesellschaft im 13. Jahrhundert? ![]() Nun, um mit den Damen zu beginnen kann gesagt werden, dass man über ihre „Unterbekleidung" eigentlich nichts sagen kann, abgesehen davon, dass sie offensichtlich Strümpfe getragen haben. Diese waren allerdings nicht gestrickt, wie man es im heutigen Sinne versteht, sondern aus Stoffstücken zusammengenäht oder in „Nadelarbeit" gefertigt (eine Vorform des heutigen Strickens mittels nur einer Nadel). Tja, das ist nicht viel, doch über Damenunterwäsche schrieb man nicht, und malen durfte man die sowieso nicht. So treten uns in den Quellen allgemein nur züchtig bekleidete Damen oder aber nackte Frauen entgegen. Meines Erachtens darf man aber durchaus davon ausgehen, dass die Damen nicht gänzlich nackt unter ihren Gewändern waren; dass sie sich ihre Brust „gewickelt" haben, wie mancherorts zu lesen ist, ist eine mögliche und nach den Abbildungen zu vermutende Variante. Unter
den langen rockartigen Frauen- und Männerkleidern des 12./13.
Jahrhunderts scheinen unter dem Knie gebundene Strümpfe getragen worden
zu sein, Miniatur zur Illustration des Monats Februar in den Tres riches Heures du duc de Berry, um 1413. Bei den Herren besitzen wir mehr Klarheit, dank ausreichender Zeugnisse,
literarischer, wie bildlicher Art. Als erstes trug der Mann die Bruch, oder
Bruoch. Hierbei handelte es sich im weitesten Sinne um eine etwas über
knielange, weite Hose, die mittels eines Gurtes, dem Bruchgürtel, gehalten
wurde. Bei den genauen Schnitten gehen die Meinungen auseinander, und auch
darüber, ob der Wickelbund oder der Kulissendurchzug vorgeherrscht habe.
Typische Befestigungsweise der
Beinlinge (langen Strümpfe) am Gürtel der Bruch (Unterhose), 12. Jh.
Der Oberkörper wurde mit einer Subtunika bedeckt, die man wohl auch
einfach als „Schwitzgewand" ansehen kann. Dieses ging dem Träger wohl
bis zum Knie und hatte lange, relativ enge Ärmel. Es ist übrigens sehr
wahrscheinlich, dass auch die Damen sich eines solchen Gewandes bedienten,
schließlich war es immer noch einfacher einen Korb solcher Schwitzgewänder
zu waschen, als die langen Obergewänder. |
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Soziale Schichten im Mittelalter |
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Das Geld im
Mittelalter
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Der Umgang
Miteinander Höfische Sprache: Gesittetes Wesen orientiert sich auch an der Ausdrucksweise; Hugo de St. Victor, ein Erziehungslehrer des 12. Jahrhunderts, meint dazu, „wenn ein Mann nicht vernünftig unterscheiden kann, über wen, was, wie und wann er sprechen soll, so wird er Schaden nehmen“. Als prominentes Beispiel sei Welfen-Kaiser Otto genannt: 1211 suchten die Fürsten Gründe für seine Absetzung und machten auch seine „rohen Sitten“ in Form mangelnder Sprachkultur namhaft. So bezeichnete er Äbte als Mönche und ehrwürdige Damen als Weiber. Die einfache Regel lautet, Äußerungen zu vermeiden, die man von anderen über sich ach nicht hören möchte, also eine geschmacklose Verletzung der Person darstellen. Unschicklich ist es genauso, über die Speisefolge beim Mahl oder über „Niedriges“, das heißt alles, was der Küche angehörte, zu reden, denn das galt am Hof als unfein und taugte darum kaum als Gesprächsthema. Die Ausgewogenheit maßvoller Rede und des angemessenen Schweigens brachte man den jungen Adeligen in seiner Erziehung recht früh bei. Jungen Damen gebot man, sich wenig zu äußern, wenn man sie nicht gerade etwas fragt oder sie direkt anspricht; besonders beim Essen sollten sie nicht reden. Ansonsten sollten sie sich freundlich und nicht laut äußern oder mutwillig scherzen: „Eine Jungfrau soll mit sanfter Stimme und mit mäßiger Lautstärke sprechen, ein Junker soll so aufmerksam sein, daß er wahrnimmt, was man ihm sagt, so daß es überflüssig ist, ihm noch mal das selbe zu sagen.“ Der Welsche Gast (um 1200), S. 405ff. Der Klang der Stimme soll gedämpft und nicht zu laut sein. Übertriebene Gestik oder verziehen der Gesichtszüge möge man vermeiden. Die Wahrheit sollte stets im Blick behalten werden, um sich vor den Hörern nicht als „Kläffer“ zu entblößen. Lieblose, unbesonnene und schroffe Rede beleidigt den gegenüber. „Selbstlob, Lüge, Spott: Wer diese drei besitzt, ist nicht wirklich frei ... Es ist ein Gebot der Erziehung, daß niemand über einen anderen spotte und daß weder Frau noch Mann einen anderen anlügen.“ Der Welsche Gast S. 217f., 221f. Beim Reden soll darauf geachtet werden, daß die Hände stillgehalten werden, „Man soll mit seinen Händen nicht herumfuchteln, daß man die Zähne eines ehrlichen Mannes gefährdet“. Knappen sollen vor ihrem Herrn nicht flüstern, laut lachen oder unstet umherblicken. Im 12. und 13. Jahrhundert galt es als vornehm, französische Wörter in seinen Wortschatz mit einzubeziehen. Gestik und Gebaren: Die Erziehungsmoral des Mittelalters hatte den Standpunkt, daß die äußere Bewegung der Glieder und die innere Bewegung des Geistes sich gegenseitig bestimmen. Hugo de St. Victor sagt, daß die ungeordnete Bewegung aus der Unbeständigkeit des Geistes komme, gleichfalls aber der Geist beständig bleibt, wird der Körper durch Beherrschung (disciplina) in Zaum gehalten. Dies sei zu erreichen, wenn man seine Glieder ihrer Bestimmung gemäß nutzt1 und man sie sittsam und anständig bewegt, „um nicht durch Zügellosigkeit die Augen der Betrachter“ zu verletzen. Das Gesicht soll beherrscht sein, ist es doch der Spiegel der Seele, es soll liebliche Strenge und strenge Lieblichkeit, Freundlichkeit und Entgegenkommen ausstrahlen. Kaiser Friedrichs I. fröhliches und heiteres Antlitz z. B. wurde als edel und höfisch-vorbildlich angesehen. Das Entgegengehen mit bloßen, ausgestreckten Händen stellt eine Untergebensgeste dar, entstanden aus einer alten Rechtsgebärde und für eine symbolische Darreichung der Hände zum Fesseln als Eingeständnis der Schuld stehend. Das Stehen vor einem Sitzenden symbolisiert die Anerkennung des Ranghöheren oder einer übergeordneten Gewalt. Verstärkt wird diese Ehrfurcht durch das Überkreuzlegen der Hände mit nach innen gekehrten Handflächen, wobei die Hände die Scham bedecken Das Neigen des Kopfes und die Entblößung des Hauptes vor höher Gestellten ist genauso geziemend. Das „Beschließen“ der Hände - schön zu sehen im Sachsenspiegel - ist ein ablehnender Gestus: die Arme werden verschränkt und die Hände unter die Achseln gesteckt, wobei die Daumen sichtbar bleiben. Bei Vorsprache, Huldigung oder Ritterschlag wird vor dem Sitzenden stets gekniet und sich vor dem Stehenden verneigt, wohlgemerkt nur bei Ranghöheren. Wie wichtig der Zusammenhang von Status und Höhe ist, zeigt ein Gebot des Welschen Gastes sehr deutlich: „Ein Junker soll sich niemals auf eine Bank stellen, sei sie kurz oder lang, wenn er einen Ritter darauf sitzen sieht“. Desselben gilt für alle Lebensbereiche und Rangstufen. Ein gen Himmel deutender ausgestreckter Zeigefinger mit angewinkelten Arm ist eine Schwurgeste, die den Wahrheitsgehalt gesprochener Worte unterstreichen will. Desweiteren gilt sie als Befehlsgeste und Aufforderung zum Gespräch. Muß das Gesagte durch Eid bekräftigt werden, wird die Wahrheit durch zwei vorgestreckte Finger (Zeige- und Mittelfinger) bekräftigt. Frauen legen beim Schwur die rechte Hand auf die linke Brust. Das Erheben der ganze Hand mit meist nach innen gekehrter (in Richtung des anderen Arm weisender) Handfläche ist eine für alle sichtbare Willenskundgabe, die darauf aufmerksam machen soll, daß man etwas sagen möchte, gleichzeitig wird so seine Zustimmung gezeigt. Das Aufstehen in einer Diskussionsrunde entspricht einer Gesprächseinleitenden Geste, üblich ist dies besonders vor einem größeren Kreis hoher Adeliger. Der Handschlag war wichtig für die Festigung und Bestätigung mündlicher Vereinbarungen, wenn er nicht erfolgte, galt jegliche Verhandlung als gescheitert. Den Gesprächspartner anzuschauen, war dem mittelalterlichen Menschen äußerst wichtig, man „nahm den anderen wahr“. Genauso konnte man das „Ansehen“ und die Ehre des Gegenübers schmälern, ignorierte man ihn oder wandte sich von ihm ab. Das Gespräch wurde durch das Zuwenden bzw. Hingehen zum Gesprächspartner eröffnet und ebenso durch Abwenden bzw. Weggehen von diesem abgebrochen. Eine weitere Befehlsgeste ist das steile Emporrecken der rechten Hand mit dem Vorderarm, wobei die Handfläche auf den/die Betreffenden weist. Zwei gen Himmel erhobenen Hände begleiten demonstrativ vorgebrachte Klagen. Die Handauflage auf Mensch, Tier oder Gut bringt den eigenen Anspruch darauf (im mittelalterlichen Recht) geltend. Damit konnte auch der Inhalt einer Urkunde bekräftigt werden. Niemand aber sollte die Hand auf die Schulter oder - schlimmer noch - auf das Haupt eines höher Gestellten legen, denn solch unangemessene Vertraulichkeit mindert dessen Ansehen und Ehre. Durch Handreichung begab man sich symbolisch in den Schutz und die Gewalt eines anderen; als Rechtsgeste erscheint sie überall dort wo ein Schutzbündnis geschlossen wird. Mit einem Fußtritt zeigt man seine Mißachtung, er ist ein Zeichen äußerster Ablehnung und Erniedrigung. Wird ein Gegenstand oder eine Person einer höheren Ebene mit dem Fuß berührt, ohne dazu autorisiert zu sein, so kommt das einer Entweihung und Entwürdigung gleich. Wird im Gegensatz dazu etwas oder jemand aus einer niederen Ebene berührt, so hebt man es bzw. ihn auf eine höhere Stufe oder erniedrigt sich in einer ungünstigen Situation selbst. Einen wichtigen Symbolcharakter besaß der Mantel. Er war nicht nur Adelsattribut und schmückendes Kleidungsstück: er war ein Merkmal ritterlicher Würde und richterlicher Gewalt. Der Sachsenspiegel schreibt den Schöffen und Richtern das Tragen von Mänteln vor. Eine Form des Rechtsaktes war, wenn Hochrangige Adelige Standesniedere unter ihren Mantel nahmen Das Bergen unter den Mantel war eine sichtbar gemachte Schutzgeste, die auch Anteilnahme bei Kummer und Trost bezeugte. Wichtige Bereitschaftsgesten zum Kampf waren das Aufsetzen des Helmes und hier besonders das festbinden desselben: geht man mit aufgesetztem Helm auf kämpfende zu oder betritt, wie in unserem Fall der MA-Darsteller, in solcher Aufmachung ein fremdes Lager, bedeutete dies eine offensichtliche Feindseligkeit. Wer in friedlicher Absicht kommt, trägt seinen Helm im Arm und bekundet so für alle sichtbar Friedfertigkeit. Das Abnehmen des Helmes während eines Kampfes machte jedem die Beendigung der Feindseligkeiten klar. Das Auf- und Zuklappen des späteren Visierhelmes hatte die selbe Bedeutung, durch diese Sitte entstand mutmaßlich der militärische Gruß. Genauso ist es mit dem Tragen des Schildes in Kampfhaltung. Um Mißverständnisse auszuschließen, wird der Schild auf dem Rücken bzw. der Schulter getragen. Das Erheben oder Emporrecken des bloßen Schwertes ist eine Herausforderung zum Kampf. Das umgebundene Schwert zeigt anderen die ständige Bereitschaft zum Kampf, in elitärer Gesellschaft ziemt es sich darum, das verwahrte Schwert in der Armbeuge zu tragen. Durch die Übergabe des Schwertes beim Eintritt in fremdes Territorium (Lager, Burg etc.), besonders in kritischen Situationen, zeigte man seine Niederlage bzw. seine freundlichen Absichten. Für den heutigen Menschen erscheint manch mittelalterliches Gebaren unkontrolliert oder überemotionalisiert: Schmerz scheint die Sinne zu rauben. Ströme von Tränen werden zu jedem Anlaß vergossen, Wut und Zorn bringen die Betroffenen zur Raserei. Seinerzeit war der Mensch eher bereit uns auch gewohnt, seinen Emotionen ungehemmt Ausdruck zu verleihen und von einem Extrem ins nächst zu springen. Die eng umgrenzte Welt war für den Einzelnen etwas unmittelbares, die Demonstration vor der Öffentlichkeit war wichtig. Je eindrucksvoller ein solcher Auftritt war, um so mehr wurde er zum Gesprächsthema. Rang und Stellung, Macht und Reichtum, freundschaftliche wie feindliche Gesinnung,, Mitleid wie Unbarmherzigkeit zeigte man überdeutlich; der Signalcharakter des eigenen Standpunktes war wichtig, wollte man sein Gesicht nicht verlieren. Solch emotional erscheinende Verhaltensweisen durchziehen Konflikte in all ihren Phasen, vom Beginn bis zu ihrem Ende in festgelegten Ritualen. Gehäuft finden sich Emotionen, wenn mittelalterliche Zeitgenossen um etwas bitten. In diesen zwei Bereichen - dem Konflikt und der Bitte - herrschen vermeintlich ungehemmte Emotionen vor, stehen also nicht für die gesamte öffentliche Kommunikation des Mittelalters2. Es galt die Formel: Je entschiedener man auftreten wollte, desto extremere Reaktionen zeigte man offensichtlich. Selbst hierbei gab es gewisse Verhaltensmuster und Rituale, die eingehalten werden mußten, wollte man sich nicht bloßstellen. Die Bitte konnte auf vielfältige Weise erfolgen: durch den wortlosen Fußfall wollte man die Erfüllung einer Gunst (z. B. ein Amt) erreichen; der Fußfall unter Tränen war angemessen, wollte man für andere Fürbitte leisten; mit Tränenreichen, selbstbezichtigenden Fußfällen und sogar Fußküssen erbat man Verzeihung. Dementsprechend hatte der Gebetene zu reagieren: Ließ er sich rühren, hob er den am Boden Liegenden auf, gab ihm den Friedenskuß und verzieh ihm. Auch das Publikum zeigte mit Mitleid und Tränen angemessene Reaktion. Zeigte sich der Gebetene hingegen unbarmherzig, konnte die Situation je nach Form der Bitte äußerst nachteilig für ihn werden. Einem Fußfälligen gegenüber unnachgiebig zu sein, war ein Verstoß gegen ein ungeschriebenes Gesetz und konnte den Zorn und die Empörung aller, zumindest aber der Freunde und Verwandten des Bittenden nach sich ziehen. Auch der Bereich der Drohung, Verwünschung und Beschimpfung hatte sein emotional gesteuertes Reglement. Nach altem Brauch begann eine Auseinandersetzung mit der verbalen Abwertung des Gegners und dem Lob der eigenen Position. Die Aggression entlud sich z. B. dadurch, daß man seinem Kontrahenten unter lautstarker Verhöhnung und Beschimpfung Dinge, etwa symbolische Bindeglieder zum Streitobjekt, vor die Füße wirft. Ein Gesandter, der eine für den Empfänger unangenehme Botschaft überbrachte, konnte leicht zum Ziel von Mißhandlungen und Beschimpfungen werden; wurde er unehrenhaft davon gejagt, griff man so ersatzweise die Ehre des Absenders an. Demonstrativ ließ man auch seine Wut an den Briefen aus: sie wurden zerrissen und in den Boden gestampft, der Überbringer eventuell in Haft genommen. Ein prominenter Fall einer Verweigerung der Bitte fand 1176 in Chiavenna statt. Kaiser Friedrich Barbarossa bat seinen Freund und Vetter Heinrich den Löwen um dringenden Ersatz für das kaiserliche Heer. Im Verlauf des Gespräches vollführte er einen Kniefall vor seinem Vasall und vor aller Öffentlichkeit. Der folgende Dialog mag angesichts des ungewöhnlichen Vorfalles der Phantasie entsprungen sein, die faktische Ungeheuerlichkeit war neben der hartnäckigen Verweigerung Heinrichs auch noch dessen dreiste Bedingung: die Reichsstadt Goslar mit ihren Silbergruben als Gegenleistung. Jeden wahren Stauferanhänger bringt dieser Tag noch heute in Wallung, nicht anders damals. Weigerung und Bedingung stellten einen empfindlichen Bruch der Spielregeln dar. Fortan war das Verhältnis zwischen Staufern und Welfen ziemlich getrübt. Zustimmung, Freude und Einverständnis zeigte man genauso nachdrücklich. Wollte man in den allgemeinen Jubel nicht mit einstimmen, und seiner gegenteiligen Meinung Ausdruck verleihen, sprach und lachte man nicht, wandte sich ab, aß und trank nicht mit den Tischgenossin, zerkratzte gar die Tischplatte, kurz: man ignorierte die andere Partei bzw. den Gegenüber. Eine andere Art, sein Mißfallen auszudrücken, war das Nichterscheinen oder sofortiges Abreisen bzw. Davongehen. Räumliche Distanz zu suchen und Kontakte zu meiden waren eindeutige Zeichen, die auch zur Fehde führen konnten, reagierte der Empfänger dieser Signale nicht rechtzeitig. Die Unterwerfung erfolgte unter kompliziertem Ritual, dem Ausmaß des Konfliktes angepaßt: Barfuß im Büßergewand oder mit einer Bruoche (Unterhose) bekleidet; auch um den Nacken gebundene Schwerter, ein Strick um den Hals oder Ruten in den Händen konnten das Bild der Demut verstärken, um auf die verdiente Strafe hinzuweisen. Der Fußfall mit einer rituellen Äußerung im Sinne von „Mache mit mir was Du willst!“ stellte den Höhepunkt einer Unterwerfung dar. Nun konnte der Bittende sofortige Verzeihung erwarten, vom Boden aufgehoben und geküßt werden, doch konnte er genauso gut in Haft genommen oder verbannt werden. Widerfuhr einem solch ein Fußfall auf seinem Wege zum Gottesdienst, wurde - zugegeben auf etwas unfaire, berechnende Weise - an sein Christentum apelliert. Es gehörte sich in diesem Fall, daß er dem sich Unterwerfenden Gnade erweist und mit ihm gemeinsam dem Gottesdienst beiwohnt. Im Fehdefall konnte der Sieger Edelmut und Größe zeigen, indem er seinen Strafmaßnahmen lediglich eine Symbolik verlieh: einer gewonnenen Burg wurde zum Zeichen ihrer Zerstörung einer mauer eingerissen oder das Tor zertrümmert; der unterlegene hatte ein geringes Entgelt zu leisten, kam einen Tag in Haft oder bekam nur einen Rutenstreich. So konnte dem Verlierer seinem rang gemäße Ehre und Würde belassen werden. Am Ende einer Unterwerfung folgte ein gemeinsames Mahl, dem der Sinn eines Friedensschlusses innewohnt. All diese und ähnliche Aktionen waren zielgerichtet, nicht etwa spontan, sie gehörten zu einem festen Reglement mit ebensolchen festgelegten Reaktionen der Gegenseite. In einer Zeit fehlender Lese- und Schreibfertigkeit wurde für alle Rechtsstandpunkt und Konfliktbereitschaft offenkundig. Auch die Zahl der bewaffneten Begleiter und die Art des Erscheinens hatte eine für alle sichtbare Signalwirkung. Inszenierung war im Mittelalter wichtig, der Unterschied zwischen echter und aufgeführter Spontaneität dem Menschen damals fremd bzw. unwichtig. Die Frau: Adelige Frauen wurden durch die höfischen Lehren dazu angehalten, bei allen Bewegungen größte Zurückhaltung zu wahren: Beim gehen soll sie nie zu stark auftreten und nicht zu große Schritte machen, nur nach vorne schauen und sich nicht umsehen, beim Reiten ihre Hand nicht aus dem Kleid herausstrecken, sich nach vorne richten und nicht zu quer im Sattel sitzen, Augen und Kopf still halten und nicht umherschweifen lassen, einen fremden Mann nicht direkt ansehen oder beim Sitzen ein Bein über das andere schlagen. Dem weiblichen Idealbild entsprach ein „züchtiger“, gesammelter Gang, das An-sich-halten der Hände, das „keusche“, zurückhaltende Essen und Trinken und das behutsame, wohlbedachte Reden nur auf die direkte Anrede von Männern hin, dann sei es auch ihr möglich, sich an der Konversation zu beteiligen, ohne aber die Stimme zu heben, zu prahlen, derbe Worte zu führen oder zu lärmen. Tritt ein adeliger Mann in ein Zimmer, so haben sich die darin befindlichen Damen zu erheben, die selbe Ehrerbietung erweisen ihnen hingegen auch die Männer. Durch die ständige Munt, welcher die Frau unterworfen war, von den Eltern über die Zofe bis zur gesamten Verwandtschaft, konnte es nur mit Mühe zu freien und offenen Liebschaften mit Männern kommen. Wer unter der Munt (mhd Hand) stand, genoß zwar den Schutz des Vormundes (dem muntbor), unterlag aber auch dessen Herrschaft. Als muntlinge galten Frauen jeden Alters, Kinder, Jugendliche und Gesinde, die von ihrem Vormund in Rechtsangelegenheiten und Bedrängnis von außen beschützt und vertreten wurden, wobei dieser aber auch die Haftung zu übernehmen hatte. Zum Ausgleich dieses Defizits entwickelte sich zwischen den Geschlechtern eine feine Blickkultur, was die Moralwächter bewog, insbesondere die Frauen zu warnen: „Hüte deine Augen vor wilden Blicken, wo dich die Leute schauen, sieh gerade hin und halte den Kopf still“. Dem Manne indess, dem der physisch-sinnliche, begehrliche Blick vorbehalten war, mangelte es schlichtweg an Gelegenheit, über das Schauen hinweg sexuell aktiv zu werden. Das „Frauen schauen“ stellte hier gewissermaßen einen Ausgleich dar, der sogar gesellschaftsfähig wurde. Der Blick verringerte die soziale Distanz und gewann eine besondere Rolle als Träger sexueller Erregung und gleichzeitiger Triebregulierung. So hat sich die Frau auch nicht von jedem Mann außer ihrem Ehegatten und den Verwandten küssen zu lassen, denn laut Thomas v. Zerklaere gehe „nach einem Kuß der Mann beschwingt nach Hause; die Situation der Frau hingegen habe sich wegen der Verletzung der Schamhaftigkeit verschlechtert“. Auch darf ein dazu nicht befugter Mann eine Frau nicht berühren, will er sie nicht beschämen und sich Ärger einhandeln. Dieses Verbot der direkten Berührung brachte in der Minnedichtung die Verehrung und Verkörperlichung von Tüchern, Hemden, Ärmeln und Schmuckstücken der Frau hervor. Die höfische Erziehung diente weniger der Selbstverwirklichung der Frau, sondern wollte sie in eine passive Rolle drängen, als Zierde einer Hofgesellschaft und Repräsentantin höfischer Tugend. Die Wahrnehmung durch die Blicke der Männer stellte dabei gleichzeitig eine Gefährdung ihrer Ehre als Verkörperung der Tugend dar. Frauen ohne Begleitung außer Haus galten als unzüchtig. Niedere und auch manche Hochadelskreise sahen über solche komplizierte Verhaltensweisen oft großzügig hinweg. Zur Stellung der Frau innerhalb der männlich dominierten Gesellschaft sei noch gesagt, daß sie generell der Schutzherrschaft, der Munt, des (Ehe-)Mannes unterstand. Er konnte sie vor Gericht vertreten und beschützen, ihren Besitz verwalten und hatte gegenüber ein Züchtigungsrecht, das seinerzeit als etwas völlig Normales angesehen wurde. Dagegen hat sie die alleinige Herrschaft über Haus und Hof, der Kleinkindererziehung und das Recht auf Beistand und Ehrerbietung durch (fremde) Männer. Wie weit (kirchliche Wunsch-) Theorie und Wirklichkeit auseinander lagen, zeigt die mittelalterliche Ungezwungenheit, wie Mann und Frau miteinander umgingen. Der nackte Leib war eigentlich nichts verwerfliches, doch sorgte die höfische Etikette dafür, daß die Frau vor gewissen männlichen Begehrlichkeiten bewahrt wird. Sittliche Ausschreitungen in Form von Gewalt durch (fremde) Männer wurde hart bestraft. Nichtsdestotrotz herrschte ein zwiespältiges Verhältnis der Männer gegenüber der Frau. Im Grunde galt sie als ein „unfertiger Mann“. Sie soll dem Mann in Tugend und Moral nacheifern, denn sie galt als tugendlos und schwach; in der Annahme, die Frau vor sich selbst schützen zu müssen, wurde sie intensiver unterrichtet und belehrt als Männer, um sie von Torheiten abzuhalten. Mit dem Beginn der höfischen Kultur Mitte des 12. Jahrhunderts gelangt die Frau in den gesellschaftlichen Mittelpunkt und ist maßgeblich an der Entwicklung dieser Kultur beteiligt - wenn auch vielfach in passiver Hinsicht: durch die „Entdeckung“ der Frau als Inbegriff von Schönheit und moralischer Vollkommenheit gelangen ritterliche Verhaltensweisen zu hoher Bedeutung. Eine vereinfachte Formel könnte lauten: je höher der gesellschaftliche Stand einer Frau, desto geringer ihre Selbständigkeit und Möglichkeit der Selbstverwirklichung. Während kleinadelige Frauen an den herrschaftlichen Funktionen wie Verwaltung und Wirtschaftsführung beteiligt waren, hatten hochadelige Damen in der Regel rein repräsentative Aufgaben; ihnen oblagen Begrüßung und Betreuung von Gästen. Sie hatten auch gelegentlich für deren körperliche Hygiene (z. B. baden) Sorge zu tragen und sie zu Bett zu geleiten. Bei Hoffesten sollten sie die Gäste mit Gesang, Dichtkunst, Vorlesungen und Musikspiel unterhalten. Andreas Cappelanus (Ende 12. Jahrhunderts) schrieb in seinem „De Amore“, daß ein Mann sich ungefragt neben eine Frau setzen durfte, wenn er an Ansehen und Rang höher gestellt war als diese; war er gleichen Ranges, sollte er sie bitten, sich neben sie setzen zu dürfen; erfolgte keine Zustimmung, hatte er Folge zu leisten. Männer niederer Stellung hatten die Frau zu ersuchen, sich weiter unten setzen zu dürfen; erlaubte sie ihm, sich neben sie zu setzen, darf er es tun. Diese zuvorkommenden Gesten seitens der Männer galten nur für adelige Frauen. Cappelanus schreibt sinngemäß weiter, daß nichtadeligen Frauen mit Geringschätzung zu begegnen wäre, höfliche Schmeicheleien seien falsch und unstatthaft. Denk- und Bewußtseinsformen: Das emotionale Miteinander war ein ganz anderes als das Unsere. Findet es sich schon in den oben angeführten Umgangsformen, so noch mehr, was die Schamgrenze anbelangt: Was uns heute peinlich erscheint, darauf wurde im Alltag nicht sonderlich geachtet (siehe „Tischsitten“). So galt das gemeinsame Bad von Mann und Frau nicht als unsittlich, war z. B. eine Frau unbekleidet, aber mit einer Haube, einem Tuch oder einer anderen die Haare verhüllenden Kopfbedeckung im Bad, galt sie als züchtig. Scham und Peinlichkeit hatten andere Prioritäten als heutzutage. Die Burgenforschung bietet hier ein anschauliches Beispiel: die in die Außenmauer der Wände eingelassenen Aborte hatten bis ins Spätmittelalter hinein keine Tür. „Geschäfte“ wurden oftmals in aller Öffentlichkeit getätigt, was auch zeitgenössische Abbildungen bis ins 16. Jahrhundert hinein belegen. Gemütsregungen, Leidenschaften und dringliche körperliche Bedürfnisse erfuhren kaum eine Regulierung. Das irdische Leben und Überleben galt als Vorbereitung und Bewährung für das wahre Leben nach dem Tod, nichts desto trotz suchte man seinen Weg und kämpfte um seine irdischen Rechte im Rahmen des ihm zugewiesenen Platzes. Man verstand sich als Teil eines Ganzen, weniger als eigenständiges Individuum. Diese für uns heute selbstverständliche Eigenschaft war im Mittelalter kaum ausgeprägt. Das Wohl der Gemeinschaft stand im Vordergrund, denn eine funktionierende Gemeinschaft verhalf zu Sicherheit und geordneter Gleichförmigkeit. Der eigene Platz in dieser Gesellschaft wurde selten in Frage gestellt, da er Teil der göttlichen Ordnung war. Die eigene Position im Ständesystem nach außen hin zu zeigen, zu demonstrieren und zu sichern, war dem Mittelalter wichtiger als heutzutage. Besonders dem Adel war es daran gelegen, entsprechend seiner Stellung behandelt zu werden, was durch viele Details vom Gruß bis hin zum Abschied geregelt war. Im umgekehrten Fall wurden ausgeprägte Individualität und ungewohnte Verhaltensformen mit Staunen betrachtet, so etwa der höchst ungewöhnliche Fußfall Kaisers Barbarossa 1176 zu Chiavenna vor seinem Vasall, dem Herzog Heinrich dem Löwen. Andererseits reagieren wir heute genauso auf nicht alltägliche Ereignisse: wer kennt nicht Willy Brands Kniefall 1971 in Polen? Norm und sogar tugendhaft war es, sich wie alle - wie „man“ - zu verhalten; „Wie seit alters her“, so gehörte es sich - traditionelle Verhaltensmuster gaben in einer Welt unvorhergesehener Nöte und Plagen Sicherheit und Gemeinschaftsgefühl. Die Norm sah auch vor, daß ausnahmslos jeder seinen Herrn hatte und auch kannte. Kaiser und Papst hatten in Gott ihren Herrn; das Herrenlos umherziehende „Fahrende Volk“ wie Gaukler und Spielleute galten nicht nur deswegen als suspekt. Die persönliche Freiheit verstand sich in der Harmonie mit der herrschenden Ordnung. Unzufriedenheit, individuelle Gefühle und Seinkrisen entstanden durch die Störung des Bestehenden wie etwa Unterdrückung, Ausbeutung oder extreme Überforderung. Die eigenen Interessen wurden vehement verteidigt, wenn die unmittelbare Ordnung ins Wanken geriet. Notfalls wurde mit Gewalt versucht, diese Ordnung wieder herzustellen. Tiefe Frömmigkeit durchzog das ganze Leben. Die Frage nach der Erlösung und dem Jenseits und die unangefochtene Herrschaft Gottes beeinflußten nachhaltig das Handeln und Denken eines Jeden. Der direkt faßbare Raum, in dem man sich bewegte, wurde mit dem Maß des eigenen Körpers wahrgenommen, mit „Schritt“, „Fuß“, „Elle“, „Spanne“ und „Finger“ . Größere Entfernungen wurden in „Morgen“ und „Tage“ eingeordnet. Jeder verstand, daß ein Morgen Feld eben eine Fläche war, die man an einem Morgen bewirtschaften konnte. Was weit darüber hinaus lag, sprengte den persönlichen Vorstellungsrahmen. Wegbeschreibungen, wie etwa ins heilige Land, mündeten in Erzählungen über Erlebnisse an Orten am Wegesrand. Die Natur wurde nicht als Ganzes empfunden, sie wurde zwar wahrgenommen, doch generell nur in ihren Einzelheiten und nicht in ihrem Zusammenhang. Die großen Wälder wurden als Bedrohung empfunden, weswegen die Rodung dieser Flächen vorangetrieben wurde. Wirkliche Welt und Vorstellung hatten keine Grenzen. Geister und Dämonen, Tugenden und Laster waren für den mittelalterlichen Menschen objektiv und tatsächlich existierend. Zeit und Raum wurden anders verstanden: Zeitliche Orientierung erfolgte am Stand der Gestirne, an der Wechselfolge von Tag und Nacht, am Wechsel der Jahreszeiten. Die im Kreislauf der Natur wiederkehrende Regelmäßigkeit übertrug sich auf das Ordnungs- und Orientierungsbild des Menschen. Die Wiederholung und Gewohnheit war das ständige maß des Alltages, es bestimmte Bewußtsein und Verhalten. Das Weltbild erschütternde Ereignisse wie Katastrophen und Kriege waren darum schwer zu verarbeiten und in den Jahreskreis einzufügen. Solche Einmaligkeiten wurden besonders zur Kenntnis genommen (besonders durch schriftliche Zeugnisse) . Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft waren dem Zeitgenossen abstrakte Werte, die ihm nicht allzu viel sagten. Gewesenes vermischte sich mit dem Dasein, zwar waren historische Ereignisse bekannt, doch wußte man nicht zu sagen, wann genau jene geschahen. Auch das eigene Alter konnte nur relativ vage angegeben werden, es war nicht unbedingt wichtig für die eigene Existenz. Das Unvermögen, die Andersartigkeit gewesener Zeiten zu verstehen, übertrug sich auch auf alles Fremde. Andere Ansichten oder Lebensgewohnheiten waren nur schwer zu verstehen. Toleranz oder Intoleranz waren damals kein Thema. Man versuchte, das Fremde zu verstehen, doch fiel es sehr schwer, brachte es doch die eigene Ordnung gehörig durcheinander und das Fremdartige will erst einmal in diese geordnete Welt eingefügt werden. Was man nicht recht verstand, wurde schlichtweg ignoriert, ließ es sich nicht zuordnen, oder man verband es mit der Geisterwelt. Der Mensch des Mittelalters erkannte und akzeptierte das Fremde nur in soweit, als er sich darin selbst zu erkennen glaubte. Tischsitten: Das gemeinsame Speisen diente nicht nur dem Vergnügen, es war gleichzeitig ein Rechtsakt, durch den die Anwesenden am Tisch zu einer Friedens- und Freundschaftsgenossenschaft wurden. Hierbei war die Sitzordnung entsprechend dem Rang des Einzelnen äußerst wichtig: falsche Sitzplatzierung der Gäste, sei es aus Versehen oder aus Absicht, konnte den Friedenscharakter eines solchen Mahles empfindlich stören. Die Kopfseite gebührte stets dem (Haus-)Herrn. Ehrerweisend war es für den Betreffenden, wurde ihm ein Sitzplatz gegenüber des Herrn auf der anderen Kopfseite der Tafel oder direkt neben ihm zugewiesen. Oft war auch der mittige Platz an einer Tafel dem Herrn vorbehalten, während an seinen Seiten und ihm gegenüber die privilegierten Gäste saßen Eine häufige Gewohnheit war es, daß das Fürstenpaar oder der Fürst für sich alleine an einem eigenen Tisch saßen; auch hier wurde ein Gast durch einen Platz an diesem Tisch geehrt. Eine Auszeichnung für den Gast war es gleichwohl, wenn sich die Gattin des Gastgebers neben ihn setzte. Sie ehrte den Gast weiterhin, wenn sie ihm die Speisen vorlegte und einschenkte. Diese Sitte stammt als Fragment aus der Zeit, als die Männer für sich aßen und die Frauen bedienen mußten. Durch die Intimität der Nahrungsaufnahme und die Repräsentation des Einzelnen war das kontrollierte Verhalten zwingend: „Die Disziplin des kontrollierten Verhaltens darf beim Essen nicht vernachlässigt werden, damit nicht in Benehmen oder in der Gestik etwas Unanständiges oder Unwürdiges geschieht. Nichts soll mit Lärm und Unrast gemacht werden, sondern alle Glieder sollen mit Sittsamkeit und Ruhe durch Beherrschung in Zaum gehalten werden“. Hugo de St. Victor Neben der Rangordnung gehörte es sich auch, daß ein Ritter neben die von ihm verehrte (Minne-) Dame gesetzt wurde. Sie erhielten gemeinsam einen Becher und eine Schüssel. Der Mann, besonders der Minneritter, schnitt seiner Dame das Fleisch zurecht. Servietten waren nur in Hochadelskreisen bekannt, die französische Sitten kannten. Gute Freunde aßen gemeinsam von einem Gedeck. Trunkenheit galt im Hochmittelalter am Hofe als verwerflich und trug nicht zum Ansehen eines Ritters bei. Das Besteck (Messer und Löffel) wurde selbst mitgebracht. Zum Mahl durch den Gastgeber auf den Tisch vorgelegt wurde das Besteck erst zu Ende des 17. Jahrhunderts. Der Zutrunk war eine Form der Vertragsabwicklung (Kauf, Verlobung Heirat, sonstige geschäftliche Angelegenheiten). Sehr oft bildete der gemeinsame Trunk den Abschluß einer Bezeugung von Urkunden. Die Annahmeverweigerung eines Zutrunks konnte schnell als schwere Ehrverletzung aufgefaßt werden. Bei Trinksprüchen hatte man darauf zu achten, wem man und auf was man zutrank - auch hier griff wieder das Ständebewußtsein: ein Ranghöherer konnte, mußte aber nicht einen Zutrunk Rangniederer erwidern, während es bei Gleichrangigen zur Pflicht wurde. Ein Anhänger eines bestimmten Fürstenhauses trank z. B. nicht auf das Wohl eines Geschlechts, mit dem sein Herr in Fehde oder Streit lag. Aus der Chronik Arnolds v. Lübeck sei ein Beispiel gebracht, das die Wichtigkeit des Sitzplatzes sehr anschaulich darlegt, geschehen auf dem Mainzer Hoffest des Kaisers Friedrich Barbarossa, 1184: Der Fuldaer Abt bat bei einer Fürstenversammlung um den Stuhl zur Linken Barbarossas, da dies ein altes Fuldaer Vorrecht sei, das der Abtei durch das Erzbistum Köln genommen wurde, „Da sagte der Kaiser zum Erzbischof: ´Hört ihr, was der Abt sagt? In Folge seines Gesuches bitten wir euch, heute unser Fest nicht stören zu wollen und ihm den Platz, auf den er Anspruch zu haben behauptet, nicht zu verweigern`. Nach dieser Anrede erhob sich der Erzbischof und sprach: ´Herr, es geschehe, wie es euch gefällt, ... ich aber will mich mit eurer Erlaubnis in meine Herberge begeben`. Als er sich darauf schon zum Fortgehen anschickte, stand an der Seite des Kaisers sein Bruder, der Pfalzgraf bei Rhein, auf und sprach: ´Herr, ich bin Lehnsmann des Kölner Herrn; es ist billig, daß ich ihm folge, wohin er geht`. Darauf erhob sich auch der Graf von Nassau und sprach: ´Auch ich werde mit eurer Erlaubnis meinem Herrn, dem Erzbischof folgen´. Ebenso erklärte sich auch der Herzog von Brabant und viele vornehme Herren. Da sagte Landgraf Ludwig, der ein Lehnsmann des Abtes war, zu dem Grafen von Nassau: ´Ihr habt euer Lehen heute schön verdient`. Jener antwortete: ´Ich habe es verdient und werde es beweisen, wenn es nötig ist`. Als nun der Erzbischof fortging, sprang der jugendliche König, der ein gewaltiges Aufsehen entstehen sah, von seinem Sitze auf, fiel dem Erzbischof um den Hals und sprach: ´Ich bitte dich, liebster Vater, bleibe hier und verwandle unsere Freude nicht in Trauer´. Auch der Kaiser selbst bat ihn zu bleiben ... Da antwortete der Erzbischof: ´Ich hätte nicht gedacht, daß ihr mir in Gegenwart aller Fürsten eine solche Kränkung zufügen würdet“. Die Lehnsmänner des Erzbischofes und er selbst nehmen diese Rangminderung nicht hin und drücken durch ihr Fortgehen ihre Verärgerung aus. Durch die anschließende Provokation des Landgrafen hätte es zu einem bewaffneten Konflikt kommen können, wenn nicht der König die brisante Lage zum Guten gewendet hätte. Der Kaiser konnte den Abt überzeugen, seinen Platz zu räumen, was dieser auch widerwillig tat und einen für ihn beschämenden „niedrigeren“ Stuhl setzte. Der Erzbischof erhielt den nun freien Platz neben dem Kaiser. Sittenregeln zu Tische im Einzelnen: Tische bedürfen Tischtücher, blanke Tische sind unschön und bäuerisch Sich ohne Kopfbedeckung zu Tisch (am Hof) zu begeben, ist unschicklich Vor dem zu Tische gehen und nach dem Essen soll man seine Hände waschen (den Damen wird das Wasser zuerst gereicht, wobei Gemahl, Liebhaber oder Diener ihnen die Ärmel halten) Man lege rechts von sich Becher und Messer, links das Brot Bei Tisch nur reden, wenn es nötig ist Der Wirt soll dafür sorgen, daß alle Gäste genug speisen können Der Wirt soll keine Gerichte auftragen, die seine Gäste nicht essen (aus Tradition, Gewohnheit, religiösen oder sittlichen Gründen) Der Löffel soll mit der Kuhle nach unten liegen, da sich ansonsten der Teufel hinein setzen könnte das Mahl soll nicht mit dem Trinken begonnen werden Beim Trinken soll man in den Becher sehen und sich vorher den Mund wischen Beim Trinken soll man auch nicht in den Becher husten, noch Geräusche machen wie ein Pferd Das Brot beim Schneiden nicht an die Brust drücken Das Brot nicht essen, bevor der erste Gang gereicht wird Der Gast möge bescheiden sein und mit dem gebotenen zufrieden sein Angebotene Speise nicht schroff ablehnen, sondern höflich danken Seinem Tischgenossen nehme man nichts fort Biete nicht anderen den Rest deiner Suppe oder das Brot, von dem du schon gebissen hast Keine zu großen Stücke in den Mund nehmen, so daß die Krumen links und rechts herausfallen Vor dem Schlucken gut durchkauen, um nicht als Gierschlund zu gelten oder sich zu verschlucken Nicht mit vollem Mund reden Nicht mit beiden Händen zugleich essen Nicht mit anderen zugleich in die (gemeinsame) Schüssel greifen Nicht die Finger in den Becher tauchen Nicht mit bloßer Hand ins Salzfässlein greifen Fettige Finger nicht am Gewand oder den Stiefeln abwischen und dann wieder ins Essen langen An Kopf oder Hals kratze man sich nicht mit bloßer Hand, sondern nehme einen Zipfel des Gewandes Beim Essen nicht an Augen, Nase oder Ohren zu schaffen machen Beim Auflegen von Speisen nicht die Finger benutzen Abgenagte Knochen oder angebissene Stücke nicht zurück in die (gemeinsame) Schüssel legen Speisereste in eine dafür vorgesehene Schüssel oder auf den Boden werfen (der Boden wurde bei einem größeren Mahl in der Regel mit Tüchern, Binsen aromatischen Kräutern und/oder Blüten ausgelegt) Das schmutzige Messer nicht an Tischtuch oder Gewand, sondern am Brot abwischen Den Teller nicht mit den Fingern auswischen Das Stochern in den Zähnen mit dem Messer oder das Weiten des Gürtels ist ungehörig Nach Beendigung des Mahles und dem Abdecken der Tische ziemt sich ein stehendes Dankgebet. Quellen und Literatur: Althoff, G.: Spielregeln der Politik im Mittelalter. Darmstadt 1997 Brüggen, E.: Kleidung im Mittelalter. Fiktion und Realität. In: Jahrbuch für Volkskunde, N. F. 1991 Borst, O.: Alltagsleben im Mittelalter. Frankfurt 1983 Bumke, J.: Höfische Kultur. München 1997 Goetz, H.-W.: Leben im Mittelalter. München 1991 Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte 1, „Gebärden“. Berlin 1971 Hüpper, D.: Wolfram von Eschenbach, Willehalm - Zu Text und Bild in der ´Großen Bilderhandschrift`. In: Festschrift für Ruth Schmidt-Wiegand. Essen 1996 Meller, G.: Denk- und Bewußtseinsformen im hohen Mittelalter. In: Toman, R.: Das hohe Mittelalter. Besichtigung einer fernen Zeit. Köln 1988 Nitschke, A.: Bewegungen in Mittelalter und Renaissance. Kämpfe, Spiele, Tänze, zeremoniell und Umgangsformen. Düsseldorf 1987 Peil, D.: Die Gebärde bei Chrétien, Hartmann und Wolfram: Erec, Iwein, Parzival. München 1975 Roos, R.: Begrüßung, Abschied, Mahlzeit. Studien zur Darstellung höfischer Lebensweise in Werken der Zeit von 1150-1320. Bonn 1975 Rösener, W.: Die höfische Frau im Hochmittelalter. In: Fleckenstein, J.: Curialitas. Göttingen 1990 Rückert, H.: Thomasin von Zerklaere, der Welsche Gast. Quedlinburg/Leipzig 1852 Schmidt-Wiegand, R.: Gebärdensprache im mittelalterlichen Recht. In: Frühmittelalterliche Studien 25. Berlin 1991 Schreiner, K.: „Er küsse mich mit dem Kuß seines Mundes“. Metamorphik, kommunikative und herrschaftliche Funktionen einer symbolischen Handlung. In: Ragotzky, H./Wenzel, H.: Höfische Repräsentation. Tübingen 1990 Schultz, A.: das Höfische Leben zur Zeit der Minnesinger. Breslau 1889 Spiess, K.-H.: Rangdenken und Rangstreit im Mittelalter. In: Pavarinci, W.: Zeremoniell und Raum. Sigmaringen 1997 Waas, A.: Der Mensch im deutschen Mittelalter. Wiesbaden 1996 Wenzel, H.: Höfische Repräsentation. Zu den Anfängen der Höflichkeit im Mittelalter. In: Soeffner, H.-G.: Kultur und Alltag. Göttingen 1988 Wenzel, H.: Hören und Sehen - Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mittelalter. München 1995 Nach oben |
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Krankheiten des Mittelalters Das Leben der Menschen war entscheidend geprägt von fehlender Zukunftssicherheit, die aus schlechten Lebensbedingungen, mangelnder Hygiene und Krankheiten wie dem Antoniusfeuer, der Lepra und vor allem der Pest resultierte. Der mittelalterliche Umgang mit Krankheiten war geprägt von Glaube, Aberglaube und medizinischer Tradition. Krankheit wurde als Strafe Gottes, als Werk des Teufels empfunden, Heilung konnte allein von Gott kommen. Armut und Krankheit galten im Mittelalter als Gebrechen. Arme und kranke Menschen sollten deshalb nach christlicher Auffassung unterstützt werden. Die Lepra (Aussatz)Aussatz ist eine bakteriell hervorgerufene Infektionskrankheit, die
charakteristische Veränderungen der Haut und Nervenstränge hervorruft. Die
Seuche gehörte zum mittelalterlichen Alltag, obwohl stets nur geringe
Anteile der Bevölkerung daran erkrankt waren.
Das AntoniusfeuerDer Auslöser dieser seuchenartig verlaufenden Krankheit ist ein sehr giftiger Pilz (Mutterkorn), der sich in der Roggenähre einnistet. Sein Giftgehalt ist kurz vor der Ernte am höchsten und nimmt nach drei Monaten bereits stark ab. Mutterkornvergiftungen gab es oft nach Missernten, weil dann die Frucht wegen des Getreidemangels mit allen Verunreinigungen sofort nach der Ernte verbraucht wurde. Die Vergiftung kann in zwei Formen, als brandige und als krampfartige, auftreten. In Deutschland war vor allem die Krampfartige, die das Nervensystem befällt, verbreitet. Die Brandige führte meist zum Verlust von Extremitäten, die nach der Erkrankung entweder von selbst abfielen oder amputiert wurden. Diese Form der Krankheit wurde häufig überlebt. Uns sind eigenartige Mittel zur Bekämpfung der Mutterkornvergiftung überliefert, wie Bleiweiß, Steinstaub, Oster- und Pfingsttau, Pech und Wagenschmiere und verschiedene Nahrungs-mittel.
Die CholeraDen arabischen und europäischen Seefahrern war bekannt, dass es in Südasien eine Krankheit gab, der man die alte griechische Bezeichnung "Cholera", also "Gallenfluss", gegeben hatte. Sie äußerte sich durch starken Durchfall, heftiges Erbrechen, bläuliche Körperflecken und schnelle Gewichtsabnahme. Der Kranke starb innerhalb weniger Tage oder Wochen an Austrocknung. Wie bei allen Krankheiten und Seuchen des Mittelalters wurde auch hier die Ausbreitung durch die Intensivierung des Handels verstärkt. Es ist auch generell festzustellen, dass viele Seuchen und Krankheiten aus der asiatischen Region stammen und im damals "schmutzigen" Europa einen idealen Nährboden vorfanden, der durch mangelnde Hygiene und wenig medizinisches Fachwissen verstärkt wurde. Die Ruhr Die Ruhr wirft sehr viele komplexere bakteriologische und damit medizingeschichtliche Fragen auf. Unter dem Begriff fasst man Infektionskrankheiten des Verdauungsapparates mit bestimmten klinischen Symptomen und Verläufen zusammen, die jedoch durch sehr unterschiedliche Erregertypen verursacht werden. Daher muss auch die historische Rolle unklar bleiben, da man zu dieser Zeit noch keine Mikroben und Keime kannte. Das Fleckfieber Das Fleckfieber ist eine durch Läuse übertragene bakterielle
Infektionserkrankung, die unbehandelt in der Hälfte der Fälle zum Tod führt.
Im Vergleich zur Cholera richtete das Fleckfieber nicht so viel Schaden an.
Das Fleckfieber war zu allen Zeiten eine typische "Kriegskrankheit". Doch
auch in Friedenszeiten wurden die Leute von dieser Infektionskrankheit nicht
verschont, die wie alle Seuchen auf Handelsrouten, Seidenstraßen,
Salzstraßen und Pilgerwegen aller Religionen verbreitet wurde.
Der Aderlass
war seit der Zeit des Hippokrates bekannt und wurde auch von Galen (griechischer Arzt) befürwortet, nachdem dieser entdeckte, dass die Adern mit Blut gefüllt waren und nicht mit Luft, wie vielfach angenommen wurde. Der Nutzen des Aderlassegewicht seiner vier Säfte (Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim) zurückgeführt. Durch Ableiten überschüssigen Blutes konnte nach dieser Vorstellung das Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Galen glaubte, Blut sei der dominante Saft und müsse besonders kontrolliert werden. Er stellte ein umfassendes System auf, das die Menge des zu entnehmenden Blutes aus dem Alter des Patienten, seinem Zustand sowie aus Jahreszeit und Wetterbedingungen ableitete. Auch in der islamischen Medizin war der Aderlass bekannt, wahrscheinlich durch die griechischen Autoren. Die historisch wichtigen medizinischen Schriften Kitab al-Qanun von Ibn Sina (Avicenna) und insbesondere Al-Tasrif li-man 'ajaza 'an al-ta'lif empfehlen den Aderlass.
Ein Grund für die verbreitete Anwendung des Aderlasses war das unzureichende Verständnis von Krankheitsursachen, trotz bedeutender Fortschritte in der Anatomie und in Operationsmethoden. Es wurde angenommen, es sei besser irgendetwas als nichts zu tun. Teilweise wird der Aderlass auch eine positive psychologische Wirkung gehabt haben. |
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| Spiele des Mittelalters | ||||||||||
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Der Ursprung des Spiels liegt in der Ausbildung der Knappen. Sie sollten in die Lage versetzt werden Ihren Herrn während einer Feldschlacht zu retten, wenn er verletzt wurde. Es ging gleichermaßen um Kraft wie auch um Geschicklichkeit. Die Knappen der einzelnen Ritter maßen sich regelmäßig in diesem Spiel. Dabei kam es häufig zum Einsatz von Waffen. Da die Knappen in starker Konkurrenz zueinander standen und der Erfolg beim Spiel ihren Status erhöhen konnte, kam es häufig zu gefährlichen Verletzungen und auch zu Todesfällen. Die Ritter beschlossen daraufhin, die Bruche (Unterhose) als einzige Spielkleidung zuzulassen und so das unerlaubte mitführen von Waffen zu unterbinden. Bruchenball wurde im Früh- und Hochmittelalter gespielt. Wegen Verletzungen und Toten beim Spiel, sowie massiven Ausschreitungen rund um die Spielfelder wurde das Spiel von König Eduard verboten.
Der Ball war eine mit Tannenzapfen
gefüllte Kuhhaut die bis zu 140 KG wiegen durfte und einen Durchmesser
zwischen 90-120 cm hatte, anderweitig ist auch zu lesen er hätte die
Abmessungen eines Mannes.
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| Kubb
(in Deutschland auch unter dem Namen Wikingerschach bekant) ist ein taktisches Gesellschaftsspiel. Es symbolisiert eine Schlacht, in der zwei verfeindete Gruppen für ihren König kämpften. In der heutigen Form wird es seit ca. 1990 gespielt. Heute wird es vor allem in Schweden und Norwegen gerne gespielt, doch auch in Deutschland ist es nicht mehr selten.
Spielidee
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