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Das Leben im Mittelalter


 
  Stoffe
Farben
Kleidung
Kleiderordnung
Soziale Schichten
Die Zahlungsmittel
Der Umgang miteinander
Krankheiten des Mittelalters
Heilkunst
Spiele des Mittelalters
Der Zeitraum des Mittelalters
 
 

Von Stoffen und Farben


 
 

Und hier noch eine kurze Stoffkunde um euch die Auswahl beim Einkauf zu vereinfachen.
Im Mittelalter benutzte man in der Regel
Leinen, Hanf und Wolle, die sich auch für den Adel nur durch die Stoffqualität unterschieden.

Leinen und Hanf
waren die verbreitetste Stoffe für leichte Gewänder und Untergewänder, die oft in Heimarbeit gesponnen wurden.
Leinen, aus den Fasern der Flachspflanze gewonnen, war teurer und nur wenige Bauern konnten es sich leisten.

Wolle
war der Universalstoff für fast alle Kleidungsstücke im Mittelalter. 
 Wolle wurde erst mit der Spindel und später (ab dem 12. Jahrhundert) mit dem Spinnrad gesponnen.

Seide und Brokat
waren bis ins späte 13. Jhdt.aus dem Orient importierte Stoffe, die sich nur die Reichsten leisten konnten, da sie sehr teuer waren.

Baumwolle
wurde erst zum Ende des 13. Jhdts.  als Mischgewebe mit Leinen (Barchent) allgemein verwendet. Es wurden zwar schon einige wenige Beispiele  in früher Zeit gefunden, dies waren aber wohl Importe aus dem Orient und mit Sicherheit  selten. 
 
Samt
wurde erstmals  zum 14. Jhdt. hin verwendet 

Leder
wurde meist  nur als Arbeitskleidung getragen  und war eher ein Zeichen der "arbeitenden Klasse".
Vermeide also Synthetikstoffe, da deine Kleidung sonst eher an ein Kostüm erinnert, als an eine ,dem Mittelalter angepasste, Kleidung.

Auch bei Borten zum verschönern der Kleidung solltet Ihr darauf achten, daß sie aus den erwähnten Stoffen
und nicht aus Synthetik gefertigt sind.


 
 

Hier noch eine kleine Farbenkunde um die Auswahl zu vereinfachen.

Im Mittelalter konnte man auch durch die Verwendung teurer Farben seinen Status zeigen. Das einfache
Volk verwendete natürlich in der Regel ungefärbte Stoffe, da diese am billigsten waren
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  Brauntöne: Die Färbung mit Naturfarben war im einfachen Volk verbreitet da die "Farbstoffe" z.B.Nußschalen preiswert und somit erschwinglich waren.

Blautöne: Waren die beliebteste Farben, da sie preiswert mit heimischen Färbemitteln herzustellen waren.
Zum Beispiel mit Färberwaid. Ein Strauch, der die Färber in Bottichen gären und stampfen mussten, um ihm den Farbstoff zu entziehen. Zum Färben mit dem Färberwaid braucht man jede Menge Urin, deswegen stank es in Blau-Färbereien fürchterlich.

Purpur:
Purpur war eine Farbe nur für Kaiser, Könige oder Kardinäle. Niemand sonst durfte purpurne Kleidung tragen.
Purpur war so besonders, weil die Herstellung extrem schwierig ist. Die einzigen, die den perfekten Purpur herstellen konnten, waren die Phönizier, ein Volk von Seefahrern und Händlern. Sie wussten, wie aus der Purpurschnecke, einer Meeresschnecke, diese ganz besondere Farbe gewonnen werden konnte. Purpurschnecken geben nur zwei Tropfen Farbstoff ab. Das machte die Arbeit sehr mühsam. Außerdem stank es in Purpurfärberein so fürchterlich nach verfaultem Fisch, dass sie weit ab aller Städte standen. Wochenlang wurde der Schneckenbrei erst zum Verfaulen gebracht, dann abgeseit und gekocht. Danach kamen die Tücher hinein, die gefärbt werden sollten. Waren diese lang genug in der stinkenden Brühe eingeweicht, wurden sie an der Sonne getrocknet und erst jetzt kam die Farbe zum Vorschein.

Rottöne: Waren bei den Adeligen schon von altersher durch ihre Blutsymbolik sehr beliebt. Rot war schon relativ preiswert als Krapprot zu erhalten und wurde auch von der einfachen Bevölkerung verwendet.  Gewonnen wurde es aus der Krapp-Pflanze, ein stacheliger Verwandter des Waldmeisters. Der Krapp hat in seiner Wurzel einen roten Farbstoff. Damit wurden lange Zeit fast alle roten Kleider gefärbt.
Das edelste Rot, das Spanisch-Rot. Es wird aus dem Blut der Koschenille-Schildläuse gewonnen. Diese Verwandten der Blattläuse leben auf Kakteen. Die Spanier hatten diese Läuse bei der Eroberung Südamerikas gefunden.

Gelbtöne: Leuchtendes Gold-Gelb wurde auch vom Adel getragen, während fahles Gelb in einigen Landstrichen zur Kennzeichnung sozialer Außenseiter diente (z.B. Juden und Prostituierte).

Grüntöne
: Waren in der Regel sehr teuer, da sie Mischfarben waren und in der Farbensymbolik eher jungen Menschen vorbehalten waren 

Schwarz: Wurde fast nur vom niederen Klerus getragen, kam aber Ende des 14. Jhd. auch bei Kaufleuten und anderen "bessergestellten" Bevölkerungsschichten in Mode

 
 

Alle Farben waren durchaus recht kräftig, so daß das Strassenbild im Mittelalter
durchaus recht Farbenfroh war und wohl kaum so trist wie uns das einige
Hollywoodstreifen weismachen wollen
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Unterbekleidung

Im 12. Jh. begann sich die Mode im höfischen Bereich zu ändern. Hatte bisher der knielange Kittel vorgeherrscht, der in Europa seit den Eroberungen durch die germanischen Stämme überall getragen wurde, so begann nicht nur die Kleidung des Mannes an Länge zuzunehmen. Zum Beginn des 13. Jh. trat die Gewandung des höfischen Herren gemeinhin als knöchellang entgegen, während die Säume der Damen nun wallend auf dem Boden auflagen. Dieses resultierte nicht nur aus der wieder entdeckten Anlehnung an die antiken Traditionen, sondern auch aus dem sich allmählich entwickelten Standesbewusstsein des Adels.

Doch wie sahen sie aus, die Damen und Herren der höfischen Gesellschaft im 13. Jahrhundert?

Nun, um mit den Damen zu beginnen kann gesagt werden, dass man über ihre
Unterbekleidung" eigentlich nichts sagen kann, abgesehen davon, dass sie offensichtlich Strümpfe getragen haben. Diese waren allerdings nicht gestrickt, wie man es im heutigen Sinne versteht, sondern aus Stoffstücken zusammengenäht oder in „Nadelarbeit" gefertigt (eine Vorform des heutigen Strickens mittels nur einer Nadel). Tja, das ist nicht viel, doch über Damenunterwäsche schrieb man nicht, und malen durfte man die sowieso nicht. So treten uns in den Quellen allgemein nur züchtig bekleidete Damen oder aber nackte Frauen entgegen. Meines Erachtens darf man aber durchaus davon ausgehen, dass die Damen nicht gänzlich nackt unter ihren Gewändern waren; dass sie sich ihre Brust „gewickelt" haben, wie mancherorts zu lesen ist, ist eine mögliche und nach den Abbildungen zu vermutende Variante.

Unter den langen rockartigen Frauen- und Männerkleidern des 12./13. Jahrhunderts scheinen unter dem Knie gebundene Strümpfe getragen worden zu sein,
Miniatur zur Illustration des Monats Februar in den Tres riches Heures du duc de Berry, um 1413.

Bei den Herren besitzen wir mehr Klarheit, dank ausreichender Zeugnisse, literarischer, wie bildlicher Art. Als erstes trug der Mann die Bruch, oder Bruoch. Hierbei handelte es sich im weitesten Sinne um eine etwas über knielange, weite Hose, die mittels eines Gurtes, dem Bruchgürtel, gehalten wurde. Bei den genauen Schnitten gehen die Meinungen auseinander, und auch darüber, ob der Wickelbund oder der Kulissendurchzug vorgeherrscht habe.

Über der Bruch trug der Herr die Beinlinge. Hierbei handelte es sich um überlange Strümpfe, die aus Stoffstücken zusammen genäht wurden. Die Beinlinge wurden mittels Schnüren am Bruchgürtel befestigt und wahlweise noch unterhalb des Knies gebunden, um einen besseren Halt zu erreichen.

Typische Befestigungsweise der Beinlinge (langen Strümpfe) am Gürtel der Bruch (Unterhose), 12. Jh.

Der Oberkörper wurde mit einer Subtunika bedeckt, die man wohl auch einfach als „Schwitzgewand" ansehen kann. Dieses ging dem Träger wohl bis zum Knie und hatte lange, relativ enge Ärmel. Es ist übrigens sehr wahrscheinlich, dass auch die Damen sich eines solchen Gewandes bedienten, schließlich war es immer noch einfacher einen Korb solcher Schwitzgewänder zu waschen, als die langen Obergewänder.

Bilder u. teile des Textes
Deutsches Strumpfmuseum



 Oberkleidung
Diese bestand im Allgemeinen aus einer „Cotte“, oder Untergewand, und einer „Surcot“, dem Obergewand. Die Cotte war das adelige Bekleidungsstück Ellbogen geknöpft sein konnten und einen „engen“ Halsausschnitt, wobei sie meist vor der Brust einen Schlitz aufwies, der mittels einer Fibel, in seltenen Fällen auch durch einen oder mehrere Knöpfe geschlossen wurde. Sie war an den Ärmeln und am Oberkörper „passend“ geschnitten und nahm unterhalb der Ärmel bis zum Saum enorm an Weite zu, was durch Ausstellen des Schnittes und Einsetzen von Keilen erreicht wurde. Die Cotte war bei Männern und Frauen nahezu identisch! Unterschiede fanden sich lediglich in der Länge des Gewandes und in der Saumlänge. Während bei Herren die Länge der Cotte im Allgemeinen zwischen Mitte Wade und Knöchel variierte, war das Gewand der Damen so lang, dass es auf dem Boden zu liegen kam. In beiden Fällen erscheint die Cotte auf den Abbildungen und Skulpturen trotz Gürtung und einer damit verbundenen Reffung in dieser Länge. Man kann hier hinzufügen, dass es offenbar auch längere Cotten bei den Herren gab, doch tauchen diese nur bei besonders festlich-repräsentativen Gewändern, oder bei Vertretern der höheren Klerusschichten auf. Mit der Saumweite verhält es sich ähnlich: Während die Länge des Saumes bei den Herren etwa zwischen drei und fünf Metern lag, scheinen die Damen Säume mit einer Länge von ab fünf Metern bevorzug zu haben.

Die Cotte war im Gegensatz zu ihren Vorgängergewändern nicht mehr geschnürt, sondern wurde durch einen Gürtel in Höhe, bzw. oberhalb der Taille fixiert. 
 Ein solches „Vorgängergewand“ wäre bei den Damen das Tütenärmelkleid, das sich vom Spätromanischen Bliaut ableitet. Der Grundschnitt war vergleichbar mit dem der Cotte, allerdings liefen die Ärmel etwa auf Höhe der Ellbogen zu regelrechten „Tüten“ aus, die bis zum Boden reichen konnten, auch wenn der Arm angewinkelt war. Die Abschlüsse dieser Tüten liefen spitz oder auch stark abgerundet/ abgeflacht aus. Gegürtet wurde dieses Gewand nicht! Es wurde offenbar mittels eingenähter Ringe oder Schlaufen an den Seiten, aber auch im Rückenbereich „geschnürt“. In den Quellen findet sich dieser Gewandtyp bis in die 1230er Jahre; seine Blütezeit erlebte das Tütenärmelkleid aber um das Jahr 1200. 

Die höfische Welt hatte nun die folgenden Möglichkeiten:

Man konnte die Cotte einfach so tragen, man trug eine Surcot darüber oder man bediente sich eines Mantels, den man über die Cotte zog.

 von Thomas Diekriede


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Soziale Schichten im Mittelalter

Unser Bild vom Mittelalter ist oft geprägt durch Film und Fernsehen. Wir wissen von dieser Epoche, daß es eine Zeit der Ritter und Burgen war, eine Zeit, die uns heute brutal und voller Aberglauben erscheint. Nur war dies wirklich so? Stimmen die Vorurteile der frühneuzeitlichen Humanisten wirklich, die den negativen Begriff Mittelalter prägten und diese Zeit als "finster" und barbarisch abwerteten? Die folgenden Ausführungen sollen versuchen, dem Leser einen vorurteilsfreien Blick in das Mittelalter und im besonderen in die mittelalterliche Gesellschaft zu geben, um ihm so die Möglichkeit zu bieten, sich ein eigenes Urteil über diese ferne Zeit zu bilden.
Gesellschaftsaufbau im Frühmittelalter im agrarisch geprägten Frühmittelalter bildete der Landbesitz das wesentliche Kriterium für die soziale Stellung eines Menschen. An der Spitze standen Adelige, Äbte, Bischöfe, die über große Ländereien verfügten. Freie Bauern bildeten die nächste Schicht. Diese besaßen zwar auch eigene Ländereien, deren Umfang genügte aber nur der eigenen Versorgung. Unter den Bauern standen die Kolonen, Halbfreie, die kein eigenes Land besaßen, sondern auf dem Land eines Grundherren lebten. Die unterste Schicht bildeten die Sklaven.

 Sklaven

Das Sklavenwesen in den germanischen Gesellschaften des Frühmittelalters hatte seine Herkunft zumeist im römischen Reich, war aber teilweise auch Folge der wikingischen Expansion (z.B. auf Island). Die Sklaven galten als Sache und hatten keinerlei Rechte. Im Laufe der weiteren Entwicklung wurden Sklaven immer seltener und ihre Stellung veränderte sich hin zu der der Kolonen.

Die Haltung der Kirche zur Sklaverei wandelte sich vom Anfang des 6. Jahrhunderts zum ersten Viertel des 10. Jahrhunderts. Die Synode (altgriech. sýnodos = Zusammenkunft, gemeinsamer Weg) von Agde (506) erlaubte noch den Verkauf von Sklaven. Von der Synode von Reims (624 -625) wurde deren Verkauf an Juden und Heiden verboten, die Synode von Chalons (644) untersagte den Verkauf über die Landesgrenzen hinweg und die Synode von Koblenz (922) setzte den Verkauf eines Christen einem Mord gleich. Diese Verbote setzten sich langsam durch und wurden noch oft gebrochen.

Kolonen

Die Kolonen unterschieden sich im Wesentlichen durch größere persönliche Freiheiten und ihre Stellung als Bürger von den Sklaven. Zwar waren auch sie an das Land gebunden, auf dem sie arbeiteten, sie konnten jedoch nicht wie die Sklaven verkauft werden. Ebenso war das für den Herren zu leistende Arbeitspensum gewohnheitsrechtlich beschränkt. Darüber hinaus waren sie verpflichtet Militärdienst zu leisten. Die Grundherren überließen den Kolonen einen eigenen Hof (mansus, etwa 10 Hektar Land), den diese in eigener Verantwortung bewirtschaften. Als Gegenleistung mussten die Kolonen Abgaben leisten und auf dem vom Grundherren selbst bewirtschafteten Land Dienste leisten. Die Kolonen bildeten die weitaus größte Gruppe innerhalb der Bevölkerung.

Freie Bauern

Die freien Bauern waren dagegen eine relativ kleine Gruppe. Durch die Lasten, die der fränkisch-frühmittelalterliche Staat aufbürdete, kam es schon früh zu einer Verarmung der Bauern. Diese waren oft gezwungen, ihren Grundbesitz an einen Großgrundbesitzer zu verkaufen und damit seinen Status zu verlieren. Eine wichtige Ursache für diese Entwicklung war das Wehrrecht. Freie Bauern waren verpflichtet, Militärdienst zu leisten und ihre Ausrüstung selbst zu bezahlen. Damit waren sie in zweierlei Hinsicht getroffen. Zum einen ging ein nicht geringer Teil der Einnahmen in die Rüstung ein, zum anderen waren die Bauern während des Dienstes nicht in der Lage das Land zu bestellen.

Der Grundbesitzende Adel förderte diese Entwicklung noch, indem er zusätzliche Militärdienste verlangte oder häufiger als vorgeschrieben Gerichtssitzungen einberief, an denen die freien Bauern unter Androhung einer Geldbuße teilnehmen mussten

Adel

Die vermögende Oberschicht unterteilt sich in den meist hochvermögenden Geburtsadel und eine Gruppe von Großgrundbesitzern, die ihren Status aus ihrem Besitz und den daraus entstehenden Privilegien herleiteten. Während die freien Bauern in der Regel nicht mehr als 3 bis 4 Höfe besaßen, waren 12 Höfe die untere Grenze dieser Gruppe. Diese Grenze ergab sich daraus, dass ab diesem Grundbesitz der Militärdienst mit einer vollständigen Rüstung vorgeschrieben war. Der Geburtsadel besaß allerdings ein vielfaches dieses Grundbesitzes, mehrere hundert bis mehrere tausend Hektar Land waren nicht selten.

 Klerus

Eine besondere Rolle nahm der Klerus während der fränkisch - frühmittalterlichen Zeit ein. Im Frühmittelalter entsprach die kirchliche Struktur im fränkischen Reich und in den arianischen christlichen Völkern germanischen Begriffen: der Grundherr war, wie früher der Stammesfürst, nicht nur weltlicher sondern auch geistlicher Herrscher. Die germanischen Eigenkirchen und die meisten Klöster dieser Zeit wurden nicht nur vom Grundherrn gestiftet, sondern auch unterhalten, und die vom Grundherrn eingesetzten örtlichen Pfarrer waren in der Regel Unfreie, die nicht nach ihrer Meinung gefragt wurden. Diese verfügten selten über die Voraussetzungen für dieses Amt. Auf der gleichen Grundlage wurden Klöster gegründet und diese mit Mönchen ausgestattet. Die Erträge des Kirchenguts gehörten dem Grundherrn.

In gleicher Weise sah sich auch der König als Herr über die Kirche. Die Bischöfe wurden vom König ernannt und stammten fast ausnahmslos aus den reichen Familien und dem Adel. Zudem unterschied sich das Leben eines Bischofs kaum von dem eines Grafen, oftmals wurde von Zeitgenossen geklagt, dass sich Bischöfe mehr um Jagd, Waffen und Vermögen kümmerten als um ihre kirchlichen Aufgaben.

Die Schenkung von Vermögen und Boden an die Kirche sowohl von Königen wie von Gemeinen sollte dem Seelenheil des Gebers dienen, nach der Lex Ribuaria konnten die gesetzlichen Erben umgangen werden. Ebenso konnte ein Grundherr eine Eigenkirche stiften, deren Erträge ihm weiterhin zustanden. Die Schenkung galt schon bei Langobarden und Franken als gottgefällig und versicherte des ewigen Lebens. Schon im 6. Jh. verlangsamten Säkularisationen das Anwachsen der Kirchengüter (bereits durch Chlothar_ I., Dagobert_I., Karl Martell und Pippin veranlaßt). Unter den Karolingern hatte sich durch Schenkung wie auch durch das Erbitten von Schenkungen der Grundbesitz der Klöster und Bistümer stark vermehrt. Karl der Große (siehe auch: Sachsenkriege (Karl der Große)) und Ludwig der Fromme wirkten dem entgegen, wobei Ludwig sogar die Enterbung der Erben durch die Kirche verbot.

Seit dem 6. Jh. wurden die freien Gemeinen und Kleingrundbesitzer von den großen Grundherren bedrückt und beraubt. Die Grafen wie auch die Äbte und Bischöfe setzten ihre Macht ein, um sich von den Kleingrundbesitzern deren Eigentum schenken oder verkaufen zu lassen oder sie von Grund und Boden zu trennen und zu verjagen.

Um der Gewalt zu entgehen traten die Bauern in den Schutz der Herren, vor allem der Kirche. Das bedeutete die Übertragung ihres Eigentums bei weiterem Nießbrauch, oft in Form der Prekarie. So förderte sie die Ausweitung der Hörigkeit früherer freier Gemeiner und ehemaliger Sklaven.

 Gesellschaftsaufbau im Hoch- und Spätmittelalter Städte

War das Frühmittelalter eine fast ausschließlich agrarisch und naturalwirtschaftlich geprägte Epoche, so wuchs die Bedeutung der Städte, in denen die Geldwirtschaft dominierte, im Hochmittelalter. Ausgehend von Norditalien gewannen Städte einen Status, der sie oftmals aus der politischen und rechtlichen Abhängigkeit von Fürsten oder Bischöfen befreite. Dies hatte beträchtlichen Einfluss auf den sozialen Aufbau der städtischen Gesellschaft. Kaufleute in Gilden

Die Grundlage für den Aufstieg der Städte stellt der Fernhandel dar. Daher bildeten die Fernkaufleute die Führungsschicht innerhalb der Stadt. Die Gilden, zunächst gebildet um sich gegenseitig im Handel mit entfernten Handelspartnern zu unterstützen, gewannen innerhalb der Stadt politischen Charakter und sicherten den Kaufleuten einen weitgehenden Einfluss auf die Entwicklung der Stadt und auf die Beziehungen zum Stadtherren.

Handwerker in Zünften

Freie Handwerker bildeten die nächste Gesellschaftsschicht. Sie organisierten sich bald in Zünften, deren Aufgabe es war, den Handwerkern einer Stadt möglichst gleichartige Arbeits- und Lebensbedingungen zu garantieren, die Qualität der Produkte zu überwachen und die soziale Absicherung der Mitglieder sicherzustellen. Im Spätmittelalter bekamen auch die Zünfte zunehmend politische Bedeutung und in vielen Städten erstritten sich die Handwerker die Teilhabe an der Stadtregierung Städtische Unterschicht und Bürgerechtslose

Kleinhändler, Knechte und Mägde bildeten die städtische Unterschicht.

Gleichsam außerhalb der Gesellschaft standen die Vertreter der "unehrlichen" Berufe.
 Bader Bettler Büttel (Flur- und Weinbergshüter)
 Chirurgen Gaukler Gassenfeger Gerichtsdiener
 Hebamme Heilkünstler Lohnkämpfer Musikanten Müller Nachtwächter
 Schäfer Schneider Spielleute Taschenspieler Töpfer Weber Zöllner          
- besonders verachtete und unmoralische Tätigkeiten waren.
 Abdecker Henker Prostituierte Rossschinder Tierverschneider Totengräber.


Unehrlich bedeutete damals, anders als heute, nicht "betrügerisch", sondern ohne gesellschaftliches Ansehen, Ehre. Diese Menschen wurden im täglichen Leben geächtet. Sie durften kein städtisches Amt ausüben, keinen Grund erwerben und wurden nicht in Zünfte aufgenommen. 
Das heißt natürlich nicht, das Menschen die unehrliche Berufe ausübten, unehrlich, ohne Ehre und Anstand waren.

Juden

Auch Juden hatten einen Sonderstatus. Sie standen in der Regel unter dem Schutz des Landesherren, der sich diesen Schutz in der Regel gut bezahlen ließ (Judenregal). Da Juden in vielen Ländern des Mittelalters kein Land besitzen konnten und in der Regel nicht in Zünfte und Gilden aufgenommen wurden, blieb ihnen lediglich der Kleinhandel und das Geldgeschäft (durch das kanonische Zinsverbot war es Christen untersagt, gegen Zinsen Geld zu verleihen oder bei Wechselgeschäften Geld zu verlangen). In vielen Städten mussten Juden in bestimmten Stadtteilen wohnen, ebenso hatten sie sich durch bestimmte Kleidung als Juden kenntlich zu machen.

Landbevölkerung

Außerhalb der Städte hatte der Wechsel von der Natural- zur Geldwirtschaft einen großen Einfluss auf die Gesellschaftsstruktur. Da die Grundbesitzer auf Geldeinnahmen angewiesen waren, verzichteten sie auf Naturalabgaben und Frondienste der Bauern und forderten stattdessen Geld. Dieser Wechsel förderte die soziale Mobilität, da es den Bauern nun grundsätzlich möglich war durch geschicktes Wirtschaften eine gewisse Unabhängigkeit vom Grundherren zu erreichen, gelegentlich konnten sie sich auch von den Abgaben freikaufen.

Die Leibeigenen blieben ausgenommen von dieser Entwicklung. Ihr Status blieb vom Wandel der Wirtschaft unbeeinflusst. Auf der anderen Seite konnten selbst Unfreie als Ministeriale im Auftrag eines Fürsten Burgen besetzen und deren Interessen vertreten. Diese Ministerialen konnten im Laufe von zwei Generationen Freie werden und in den Ritterstand eintreten.


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Das Geld im Mittelalter

Währungen und Preise des Mittelalter

Im Mittelalter gab es keine einheitlich durchgängige Währung, mit festen Umrechnungssätzen zu anderen Währungen. Dies gibt es erst seit der Neuzeit.
Ursprünglich wurde getauscht, dann begann man mit wertvollem, auch Schmuck, zu bezahlen. Überregional funktionierte das allerdings nur mit Werten, welche überall einen besonderen und messbaren Wert hatten. Edelsteine, Perlen, Edelmetalle.

Üblich waren im Mittelalter in Europa Edelmetalle; Kupfer, Silber, Gold.
Man führte vor der Einführung von Münzen unter anderem stabförmige Barren mit, (Bereits seit der Bronzezeit Stab und Spangengeld) von welchen der erforderliche Preis in Gewicht abgehackt wurde. So entstand das Hacksilber. Mit Münzen verfuhr man natürlich ebenso. Der Wert einer Münze bemaß sich nach ihrem Gewicht und ihrem Material.
Das Prinzip der Bezahlung war : "Gewicht Edelmetall"

In der Merowingerzeit (das älteste bekannte Königsgeschlecht der Franken vom beginnenden 5. Jahrhundert bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts. Sie wurden um 751 durch das Geschlecht der Karolinger verdrängt), waren in Europa römische aber auch byzantinische Münzen in Gebrauch. Die Münzhoheit allerdings lag noch in Rom. Die Merowinger begannen die Münzhoheit Roms zu unterlaufen und prägten eigene Münzen.


Die Münzpräger
des frühen Mittelalters waren zunächst private, an ihrem eigenen Gewinn orientierte Geschäftsleute. Die Prägungen waren relativ primitiv und trugen neben dem Namen des Herrschers meistens noch den des jeweiligen Münzmeisters. Richtungsweisend in Geld- und Münzangelegenheiten waren bis ins siebte Jahrhundert die Byzantiner. Die byzantinischen Münzen wurden in Europa so gut wie möglich und oft relativ stümperhaft nachgeprägt. Erst um das 7. Jahrhundert begannen die germanischen Könige eigene Münzen zu prägen und das Münzwesen zu zentralisieren. Die Autorität der Merowinger reichte allerdings nicht aus, um die Münzprägung tatsächlich zu kontrollieren. So prägten immer mehr Kleriker und Klöster, die hoheitspolitische Aufgaben übernahmen, auch eigene Münzen. Fremde Münzen wurden z. B. kurzerhand eingeschmolzen und neu geprägt. Erst Karl dem Grossen gelang es, die Rechte der eigenständig handelnde Münzpräger effektiv einzudämmen. Künftig sollte das Prägen von Münzen nur noch in kaiserlichen Pfalzen erlaubt sein. Kurze Zeit später tauchte denn auch die erste Strafvorschrift gegen Falschmünzer in Deutschland auf: Wer des Falschmünzens überführt wird, dem soll die Hand abgeschlagen werden. Die Strafen auf das Falschmünzen verschärften sich mit der Zeit zunehmend, so war im 14. Jahrhundert das Sieden in Wasser eine gängige Strafe für Falschmünzer.

Die Kontrolle des Münzwesens schwankte jedoch mit der Autorität der Herrscher, sodass das königliche Monopol auf die Münzprägung (das königliche Münzregal) immer nur für kurze Zeit historische Realität wurde. Mit der Zersplitterung des Geldwesens, d. h. mit der Zunahme an Münzstätten kam es auch wieder zu einer Verschlechterung der Münzen. Die fehlende Kontrolle der Münzprägung erlaubte den sog. «Beischlägern» die Möglichkeit eines schnellen Profits, indem sie die beliebtesten europäischen Handelsmünzen mit möglichst geringem Feingehalt nachprägten. Diese zweifelhafte Praxis der Kapitalgewinnung wurde teilweise sogar von autoritärer Seite angewendet; so erhielt z. B. Phillip der Schöne im 14. Jahrhundert den Beinamen «Falschmünzer». Da man sich nie hundertprozentig auf den Wert einer Münze verlassen konnte, wurde vielerorts das Edelmetall ausgewogen, statt dass mit der Münze gehandelt wurde. Symptomatisch dafür sind z. B. auch einfache Silberbarren, die mitunter als Geld benutzt wurden.
Im Original bei: http://www.moneymuseum.com, da findet man alles über Geld von der Antike bis heute.


Das Münz Pfund

Im Mittelalter war das Pfund als Gewichtsmaß in ganz Europas verbreitet, sein Gewicht wich jedoch von Stadt zu Stadt ab.

  • Hatte das Pfund in
    • Nürnberg gut 510 Gramm
    • so war es in Berlin nur etwa 467 Gramm
  • Lediglich in der Medizin konnte sich das Nürnberger Apotheker-Pfund (357,854 g) durchsetzen in der Unterteilung
    • 1 lb = 12 Unzen = 96 Drachmen = 288 Skrupel = 576 Obolus = 5.760 Grain.
  • 1854 legte der Deutsche Zollverein das Pfund auf 500 Gramm fest. Begriffe wie "Obolus" und "Skrupel", welche heute noch in unserer Sprache ihren Platz haben, stammen aus dieser Zeit.


Münzen und deren Bezeichnungen

Die ersten Namen der Münzen des Mittelalters stammten aus dem Lateinischen, man sprach halt lateinisch.
Daher Begriffe wie Denare oder Solidi / Solidus.
Die Bezeichnungen und zugeordneten Münzgewichte sind allerdings nicht immer eindeutig.
Letztendlich lief alles darauf hinaus, das eine Währungsbezeichnung ein Synonym für eine Gewichtseinheit war. (Z.B. Pfund)
Man nannte es anders, war aber immer noch am Ursprung, dem Gewicht eines Edelmetalls orientiert.
Eine Münze hatte das ihr eigene, zugewiesene Gewicht, oder sie war gehackt.
Wobei mit "einer Münze" NICHT alle Pfennige gemeint sind!
Der Pfennig OTTO III
war im Gewicht NICHT identisch mit dem Pfennig von Siegfried von Westenburg!
Wohl aber sollte der Pfennig von beispielsweise OTTO III. durchgängig und annähernd das gleiche Gewicht haben.
Kaufleute verfügten häufig über eigene, kleine Waagen zum abwiegen der Münzen.
Manche Münzen waren eben auch bekannt und brauchten daher nicht unbedingt gewogen werden, ausser, man hatte den Verdacht, es wäre wohl ein Betrug.
(Nimmt man viele Silbermünzen, und schabt vom Rand einer Jeden ein wenig ab, so kommt einiges zusammen.)
Auf solche Dinge so wie auf Fälschungen achtete man bei größeren Mengen Geldes schon.
Wobei die Größenordnung natürlich subjektiv war.
( Bis in die Neuzeit ist diese Gedanke, des Edelmetallwertes an einer Währung, erhalten geblieben. Bsp. der Silberdollar.
Erst mit der Hegemonie der "Gnome von Zürich" (Lord Wilson) hat der US-Dollar seinen Edelmetallwert verloren!
Heute ist eine Banknote ein Zahlungsversprechen der ausgebenden Bank. Das muß nicht immer gehalten werden. Als Beispiel, die Währungsreformen Brasiliens der letzten 25 Jahre.)

Quelle:
http://www.mittelalter-server.de/Mittelalter-Geld/Das-Mittelalter_ma_waehrung.html
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  Der Umgang Miteinander

Höfische Sprache:
Gesittetes Wesen orientiert sich auch an der Ausdrucksweise; Hugo de St. Victor, ein Erziehungslehrer des 12. Jahrhunderts, meint dazu, „wenn ein Mann nicht vernünftig unterscheiden kann, über wen, was, wie und wann er sprechen soll, so wird er Schaden nehmen“. Als prominentes Beispiel sei Welfen-Kaiser Otto genannt: 1211 suchten die Fürsten Gründe für seine Absetzung und machten auch seine „rohen Sitten“ in Form mangelnder Sprachkultur namhaft. So bezeichnete er Äbte als Mönche und ehrwürdige Damen als Weiber.

Die einfache Regel lautet, Äußerungen zu vermeiden, die man von anderen über sich ach nicht hören möchte, also eine geschmacklose Verletzung der Person darstellen. Unschicklich ist es genauso, über die Speisefolge beim Mahl oder über „Niedriges“, das heißt alles, was der Küche angehörte, zu reden, denn das galt am Hof als unfein und taugte darum kaum als Gesprächsthema.
Die Ausgewogenheit maßvoller Rede und des angemessenen Schweigens brachte man den jungen Adeligen in seiner Erziehung recht früh bei. Jungen Damen gebot man, sich wenig zu äußern, wenn man sie nicht gerade etwas fragt oder sie direkt anspricht; besonders beim Essen sollten sie nicht reden. Ansonsten sollten sie sich freundlich und nicht laut äußern oder mutwillig scherzen: „Eine Jungfrau soll mit sanfter Stimme und mit mäßiger Lautstärke sprechen, ein Junker soll so aufmerksam sein, daß er wahrnimmt, was man ihm sagt, so daß es überflüssig ist, ihm noch mal das selbe zu sagen.“ Der Welsche Gast (um 1200), S. 405ff.
Der Klang der Stimme soll gedämpft und nicht zu laut sein. Übertriebene Gestik oder verziehen der Gesichtszüge möge man vermeiden. Die Wahrheit sollte stets im Blick behalten werden, um sich vor den Hörern nicht als „Kläffer“ zu entblößen. Lieblose, unbesonnene und schroffe Rede beleidigt den gegenüber. „Selbstlob, Lüge, Spott: Wer diese drei besitzt, ist nicht wirklich frei ... Es ist ein Gebot der Erziehung, daß niemand über einen anderen spotte und daß weder Frau noch Mann einen anderen anlügen.“ Der Welsche Gast S. 217f., 221f.
Beim Reden soll darauf geachtet werden, daß die Hände stillgehalten werden, „Man soll mit seinen Händen nicht herumfuchteln, daß man die Zähne eines ehrlichen Mannes gefährdet“. Knappen sollen vor ihrem Herrn nicht flüstern, laut lachen oder unstet umherblicken.
Im 12. und 13. Jahrhundert galt es als vornehm, französische Wörter in seinen Wortschatz mit einzubeziehen.

Gestik und Gebaren:
Die Erziehungsmoral des Mittelalters hatte den Standpunkt, daß die äußere Bewegung der Glieder und die innere Bewegung des Geistes sich gegenseitig bestimmen. Hugo de St. Victor sagt, daß die ungeordnete Bewegung aus der Unbeständigkeit des Geistes komme, gleichfalls aber der Geist beständig bleibt, wird der Körper durch Beherrschung (disciplina) in Zaum gehalten. Dies sei zu erreichen, wenn man seine Glieder ihrer Bestimmung gemäß nutzt1 und man sie sittsam und anständig bewegt, „um nicht durch Zügellosigkeit die Augen der Betrachter“ zu verletzen. Das Gesicht soll beherrscht sein, ist es doch der Spiegel der Seele, es soll liebliche Strenge und strenge Lieblichkeit, Freundlichkeit und Entgegenkommen ausstrahlen. Kaiser Friedrichs I. fröhliches und heiteres Antlitz z. B. wurde als edel und höfisch-vorbildlich angesehen.

Das Entgegengehen mit bloßen, ausgestreckten Händen stellt eine Untergebensgeste dar, entstanden aus einer alten Rechtsgebärde und für eine symbolische Darreichung der Hände zum Fesseln als Eingeständnis der Schuld stehend.
Das Stehen vor einem Sitzenden symbolisiert die Anerkennung des Ranghöheren oder einer übergeordneten Gewalt. Verstärkt wird diese Ehrfurcht durch das Überkreuzlegen der Hände mit nach innen gekehrten Handflächen, wobei die Hände die Scham bedecken
Das Neigen des Kopfes und die Entblößung des Hauptes vor höher Gestellten ist genauso geziemend.
Das „Beschließen“ der Hände - schön zu sehen im Sachsenspiegel - ist ein ablehnender Gestus: die Arme werden verschränkt und die Hände unter die Achseln gesteckt, wobei die Daumen sichtbar bleiben.
Bei Vorsprache, Huldigung oder Ritterschlag wird vor dem Sitzenden stets gekniet und sich vor dem Stehenden verneigt, wohlgemerkt nur bei Ranghöheren. Wie wichtig der Zusammenhang von Status und Höhe ist, zeigt ein Gebot des Welschen Gastes sehr deutlich: „Ein Junker soll sich niemals auf eine Bank stellen, sei sie kurz oder lang, wenn er einen Ritter darauf sitzen sieht“. Desselben gilt für alle Lebensbereiche und Rangstufen.
Ein gen Himmel deutender ausgestreckter Zeigefinger mit angewinkelten Arm ist eine Schwurgeste, die den Wahrheitsgehalt gesprochener Worte unterstreichen will. Desweiteren gilt sie als Befehlsgeste und Aufforderung zum Gespräch. Muß das Gesagte durch Eid bekräftigt werden, wird die Wahrheit durch zwei vorgestreckte Finger (Zeige- und Mittelfinger) bekräftigt. Frauen legen beim Schwur die rechte Hand auf die linke Brust.
Das Erheben der ganze Hand mit meist nach innen gekehrter (in Richtung des anderen Arm weisender) Handfläche ist eine für alle sichtbare Willenskundgabe, die darauf aufmerksam machen soll, daß man etwas sagen möchte, gleichzeitig wird so seine Zustimmung gezeigt. Das Aufstehen in einer Diskussionsrunde entspricht einer Gesprächseinleitenden Geste, üblich ist dies besonders vor einem größeren Kreis hoher Adeliger.
Der Handschlag war wichtig für die Festigung und Bestätigung mündlicher Vereinbarungen, wenn er nicht erfolgte, galt jegliche Verhandlung als gescheitert.

Den Gesprächspartner anzuschauen, war dem mittelalterlichen Menschen äußerst wichtig, man „nahm den anderen wahr“. Genauso konnte man das „Ansehen“ und die Ehre des Gegenübers schmälern, ignorierte man ihn oder wandte sich von ihm ab. Das Gespräch wurde durch das Zuwenden bzw. Hingehen zum Gesprächspartner eröffnet und ebenso durch Abwenden bzw. Weggehen von diesem abgebrochen.
Eine weitere Befehlsgeste ist das steile Emporrecken der rechten Hand mit dem Vorderarm, wobei die Handfläche auf den/die Betreffenden weist. Zwei gen Himmel erhobenen Hände begleiten demonstrativ vorgebrachte Klagen.
Die Handauflage auf Mensch, Tier oder Gut bringt den eigenen Anspruch darauf (im mittelalterlichen Recht) geltend. Damit konnte auch der Inhalt einer Urkunde bekräftigt werden. Niemand aber sollte die Hand auf die Schulter oder - schlimmer noch - auf das Haupt eines höher Gestellten legen, denn solch unangemessene Vertraulichkeit mindert dessen Ansehen und Ehre.
Durch Handreichung begab man sich symbolisch in den Schutz und die Gewalt eines anderen; als Rechtsgeste erscheint sie überall dort wo ein Schutzbündnis geschlossen wird.
Mit einem Fußtritt zeigt man seine Mißachtung, er ist ein Zeichen äußerster Ablehnung und Erniedrigung. Wird ein Gegenstand oder eine Person einer höheren Ebene mit dem Fuß berührt, ohne dazu autorisiert zu sein, so kommt das einer Entweihung und Entwürdigung gleich. Wird im Gegensatz dazu etwas oder jemand aus einer niederen Ebene berührt, so hebt man es bzw. ihn auf eine höhere Stufe oder erniedrigt sich in einer ungünstigen Situation selbst.
Einen wichtigen Symbolcharakter besaß der Mantel. Er war nicht nur Adelsattribut und schmückendes Kleidungsstück: er war ein Merkmal ritterlicher Würde und richterlicher Gewalt. Der Sachsenspiegel schreibt den Schöffen und Richtern das Tragen von Mänteln vor. Eine Form des Rechtsaktes war, wenn Hochrangige Adelige Standesniedere unter ihren Mantel nahmen Das Bergen unter den Mantel war eine sichtbar gemachte Schutzgeste, die auch Anteilnahme bei Kummer und Trost bezeugte.

Wichtige Bereitschaftsgesten zum Kampf waren das Aufsetzen des Helmes und hier besonders das festbinden desselben: geht man mit aufgesetztem Helm auf kämpfende zu oder betritt, wie in unserem Fall der MA-Darsteller, in solcher Aufmachung ein fremdes Lager, bedeutete dies eine offensichtliche Feindseligkeit. Wer in friedlicher Absicht kommt, trägt seinen Helm im Arm und bekundet so für alle sichtbar Friedfertigkeit. Das Abnehmen des Helmes während eines Kampfes machte jedem die Beendigung der Feindseligkeiten klar. Das Auf- und Zuklappen des späteren Visierhelmes hatte die selbe Bedeutung, durch diese Sitte entstand mutmaßlich der militärische Gruß.
Genauso ist es mit dem Tragen des Schildes in Kampfhaltung. Um Mißverständnisse auszuschließen, wird der Schild auf dem Rücken bzw. der Schulter getragen.
Das Erheben oder Emporrecken des bloßen Schwertes ist eine Herausforderung zum Kampf. Das umgebundene Schwert zeigt anderen die ständige Bereitschaft zum Kampf, in elitärer Gesellschaft ziemt es sich darum, das verwahrte Schwert in der Armbeuge zu tragen. Durch die Übergabe des Schwertes beim Eintritt in fremdes Territorium (Lager, Burg etc.), besonders in kritischen Situationen, zeigte man seine Niederlage bzw. seine freundlichen Absichten.

Für den heutigen Menschen erscheint manch mittelalterliches Gebaren unkontrolliert oder überemotionalisiert: Schmerz scheint die Sinne zu rauben. Ströme von Tränen werden zu jedem Anlaß vergossen, Wut und Zorn bringen die Betroffenen zur Raserei.
Seinerzeit war der Mensch eher bereit uns auch gewohnt, seinen Emotionen ungehemmt Ausdruck zu verleihen und von einem Extrem ins nächst zu springen. Die eng umgrenzte Welt war für den Einzelnen etwas unmittelbares, die Demonstration vor der Öffentlichkeit war wichtig. Je eindrucksvoller ein solcher Auftritt war, um so mehr wurde er zum Gesprächsthema. Rang und Stellung, Macht und Reichtum, freundschaftliche wie feindliche Gesinnung,, Mitleid wie Unbarmherzigkeit zeigte man überdeutlich; der Signalcharakter des eigenen Standpunktes war wichtig, wollte man sein Gesicht nicht verlieren. Solch emotional erscheinende Verhaltensweisen durchziehen Konflikte in all ihren Phasen, vom Beginn bis zu ihrem Ende in festgelegten Ritualen.
Gehäuft finden sich Emotionen, wenn mittelalterliche Zeitgenossen um etwas bitten. In diesen zwei Bereichen - dem Konflikt und der Bitte - herrschen vermeintlich ungehemmte Emotionen vor, stehen also nicht für die gesamte öffentliche Kommunikation des Mittelalters2. Es galt die Formel: Je entschiedener man auftreten wollte, desto extremere Reaktionen zeigte man offensichtlich. Selbst hierbei gab es gewisse Verhaltensmuster und Rituale, die eingehalten werden mußten, wollte man sich nicht bloßstellen.
Die Bitte konnte auf vielfältige Weise erfolgen: durch den wortlosen Fußfall wollte man die Erfüllung einer Gunst (z. B. ein Amt) erreichen; der Fußfall unter Tränen war angemessen, wollte man für andere Fürbitte leisten; mit Tränenreichen, selbstbezichtigenden Fußfällen und sogar Fußküssen erbat man Verzeihung. Dementsprechend hatte der Gebetene zu reagieren: Ließ er sich rühren, hob er den am Boden Liegenden auf, gab ihm den Friedenskuß und verzieh ihm. Auch das Publikum zeigte mit Mitleid und Tränen angemessene Reaktion. Zeigte sich der Gebetene hingegen unbarmherzig, konnte die Situation je nach Form der Bitte äußerst nachteilig für ihn werden. Einem Fußfälligen gegenüber unnachgiebig zu sein, war ein Verstoß gegen ein ungeschriebenes Gesetz und konnte den Zorn und die Empörung aller, zumindest aber der Freunde und Verwandten des Bittenden nach sich ziehen.
Auch der Bereich der Drohung, Verwünschung und Beschimpfung hatte sein emotional gesteuertes Reglement. Nach altem Brauch begann eine Auseinandersetzung mit der verbalen Abwertung des Gegners und dem Lob der eigenen Position. Die Aggression entlud sich z. B. dadurch, daß man seinem Kontrahenten unter lautstarker Verhöhnung und Beschimpfung Dinge, etwa symbolische Bindeglieder zum Streitobjekt, vor die Füße wirft. Ein Gesandter, der eine für den Empfänger unangenehme Botschaft überbrachte, konnte leicht zum Ziel von Mißhandlungen und Beschimpfungen werden; wurde er unehrenhaft davon gejagt, griff man so ersatzweise die Ehre des Absenders an. Demonstrativ ließ man auch seine Wut an den Briefen aus: sie wurden zerrissen und in den Boden gestampft, der Überbringer eventuell in Haft genommen.
Ein prominenter Fall einer Verweigerung der Bitte fand 1176 in Chiavenna statt. Kaiser Friedrich Barbarossa bat seinen Freund und Vetter Heinrich den Löwen um dringenden Ersatz für das kaiserliche Heer. Im Verlauf des Gespräches vollführte er einen Kniefall vor seinem Vasall und vor aller Öffentlichkeit. Der folgende Dialog mag angesichts des ungewöhnlichen Vorfalles der Phantasie entsprungen sein, die faktische Ungeheuerlichkeit war neben der hartnäckigen Verweigerung Heinrichs auch noch dessen dreiste Bedingung: die Reichsstadt Goslar mit ihren Silbergruben als Gegenleistung. Jeden wahren Stauferanhänger bringt dieser Tag noch heute in Wallung, nicht anders damals. Weigerung und Bedingung stellten einen empfindlichen Bruch der Spielregeln dar. Fortan war das Verhältnis zwischen Staufern und Welfen ziemlich getrübt.
Zustimmung, Freude und Einverständnis zeigte man genauso nachdrücklich. Wollte man in den allgemeinen Jubel nicht mit einstimmen, und seiner gegenteiligen Meinung Ausdruck verleihen, sprach und lachte man nicht, wandte sich ab, aß und trank nicht mit den Tischgenossin, zerkratzte gar die Tischplatte, kurz: man ignorierte die andere Partei bzw. den Gegenüber. Eine andere Art, sein Mißfallen auszudrücken, war das Nichterscheinen oder sofortiges Abreisen bzw. Davongehen. Räumliche Distanz zu suchen und Kontakte zu meiden waren eindeutige Zeichen, die auch zur Fehde führen konnten, reagierte der Empfänger dieser Signale nicht rechtzeitig.
Die Unterwerfung erfolgte unter kompliziertem Ritual, dem Ausmaß des Konfliktes angepaßt: Barfuß im Büßergewand oder mit einer Bruoche (Unterhose) bekleidet; auch um den Nacken gebundene Schwerter, ein Strick um den Hals oder Ruten in den Händen konnten das Bild der Demut verstärken, um auf die verdiente Strafe hinzuweisen.
Der Fußfall mit einer rituellen Äußerung im Sinne von „Mache mit mir was Du willst!“ stellte den Höhepunkt einer Unterwerfung dar. Nun konnte der Bittende sofortige Verzeihung erwarten, vom Boden aufgehoben und geküßt werden, doch konnte er genauso gut in Haft genommen oder verbannt werden. Widerfuhr einem solch ein Fußfall auf seinem Wege zum Gottesdienst, wurde - zugegeben auf etwas unfaire, berechnende Weise - an sein Christentum apelliert. Es gehörte sich in diesem Fall, daß er dem sich Unterwerfenden Gnade erweist und mit ihm gemeinsam dem Gottesdienst beiwohnt.
Im Fehdefall konnte der Sieger Edelmut und Größe zeigen, indem er seinen Strafmaßnahmen lediglich eine Symbolik verlieh: einer gewonnenen Burg wurde zum Zeichen ihrer Zerstörung einer mauer eingerissen oder das Tor zertrümmert; der unterlegene hatte ein geringes Entgelt zu leisten, kam einen Tag in Haft oder bekam nur einen Rutenstreich. So konnte dem Verlierer seinem rang gemäße Ehre und Würde belassen werden. Am Ende einer Unterwerfung folgte ein gemeinsames Mahl, dem der Sinn eines Friedensschlusses innewohnt.
All diese und ähnliche Aktionen waren zielgerichtet, nicht etwa spontan, sie gehörten zu einem festen Reglement mit ebensolchen festgelegten Reaktionen der Gegenseite. In einer Zeit fehlender Lese- und Schreibfertigkeit wurde für alle Rechtsstandpunkt und Konfliktbereitschaft offenkundig. Auch die Zahl der bewaffneten Begleiter und die Art des Erscheinens hatte eine für alle sichtbare Signalwirkung. Inszenierung war im Mittelalter wichtig, der Unterschied zwischen echter und aufgeführter Spontaneität dem Menschen damals fremd bzw. unwichtig.

Die Frau:
Adelige Frauen wurden durch die höfischen Lehren dazu angehalten, bei allen Bewegungen größte Zurückhaltung zu wahren: Beim gehen soll sie nie zu stark auftreten und nicht zu große Schritte machen, nur nach vorne schauen und sich nicht umsehen, beim Reiten ihre Hand nicht aus dem Kleid herausstrecken, sich nach vorne richten und nicht zu quer im Sattel sitzen, Augen und Kopf still halten und nicht umherschweifen lassen, einen fremden Mann nicht direkt ansehen oder beim Sitzen ein Bein über das andere schlagen.
Dem weiblichen Idealbild entsprach ein „züchtiger“, gesammelter Gang, das An-sich-halten der Hände, das „keusche“, zurückhaltende Essen und Trinken und das behutsame, wohlbedachte Reden nur auf die direkte Anrede von Männern hin, dann sei es auch ihr möglich, sich an der Konversation zu beteiligen, ohne aber die Stimme zu heben, zu prahlen, derbe Worte zu führen oder zu lärmen.
Tritt ein adeliger Mann in ein Zimmer, so haben sich die darin befindlichen Damen zu erheben, die selbe Ehrerbietung erweisen ihnen hingegen auch die Männer.
Durch die ständige Munt, welcher die Frau unterworfen war, von den Eltern über die Zofe bis zur gesamten Verwandtschaft, konnte es nur mit Mühe zu freien und offenen Liebschaften mit Männern kommen. Wer unter der Munt (mhd Hand) stand, genoß zwar den Schutz des Vormundes (dem muntbor), unterlag aber auch dessen Herrschaft. Als muntlinge galten Frauen jeden Alters, Kinder, Jugendliche und Gesinde, die von ihrem Vormund in Rechtsangelegenheiten und Bedrängnis von außen beschützt und vertreten wurden, wobei dieser aber auch die Haftung zu übernehmen hatte.
Zum Ausgleich dieses Defizits entwickelte sich zwischen den Geschlechtern eine feine Blickkultur, was die Moralwächter bewog, insbesondere die Frauen zu warnen: „Hüte deine Augen vor wilden Blicken, wo dich die Leute schauen, sieh gerade hin und halte den Kopf still“. Dem Manne indess, dem der physisch-sinnliche, begehrliche Blick vorbehalten war, mangelte es schlichtweg an Gelegenheit, über das Schauen hinweg sexuell aktiv zu werden. Das „Frauen schauen“ stellte hier gewissermaßen einen Ausgleich dar, der sogar gesellschaftsfähig wurde. Der Blick verringerte die soziale Distanz und gewann eine besondere Rolle als Träger sexueller Erregung und gleichzeitiger Triebregulierung.
So hat sich die Frau auch nicht von jedem Mann außer ihrem Ehegatten und den Verwandten küssen zu lassen, denn laut Thomas v. Zerklaere gehe „nach einem Kuß der Mann beschwingt nach Hause; die Situation der Frau hingegen habe sich wegen der Verletzung der Schamhaftigkeit verschlechtert“. Auch darf ein dazu nicht befugter Mann eine Frau nicht berühren, will er sie nicht beschämen und sich Ärger einhandeln. Dieses Verbot der direkten Berührung brachte in der Minnedichtung die Verehrung und Verkörperlichung von Tüchern, Hemden, Ärmeln und Schmuckstücken der Frau hervor.
Die höfische Erziehung diente weniger der Selbstverwirklichung der Frau, sondern wollte sie in eine passive Rolle drängen, als Zierde einer Hofgesellschaft und Repräsentantin höfischer Tugend. Die Wahrnehmung durch die Blicke der Männer stellte dabei gleichzeitig eine Gefährdung ihrer Ehre als Verkörperung der Tugend dar. Frauen ohne Begleitung außer Haus galten als unzüchtig.
Niedere und auch manche Hochadelskreise sahen über solche komplizierte Verhaltensweisen oft großzügig hinweg. Zur Stellung der Frau innerhalb der männlich dominierten Gesellschaft sei noch gesagt, daß sie generell der Schutzherrschaft, der Munt, des (Ehe-)Mannes unterstand. Er konnte sie vor Gericht vertreten und beschützen, ihren Besitz verwalten und hatte gegenüber ein Züchtigungsrecht, das seinerzeit als etwas völlig Normales angesehen wurde. Dagegen hat sie die alleinige Herrschaft über Haus und Hof, der Kleinkindererziehung und das Recht auf Beistand und Ehrerbietung durch (fremde) Männer. Wie weit (kirchliche Wunsch-) Theorie und Wirklichkeit auseinander lagen, zeigt die mittelalterliche Ungezwungenheit, wie Mann und Frau miteinander umgingen. Der nackte Leib war eigentlich nichts verwerfliches, doch sorgte die höfische Etikette dafür, daß die Frau vor gewissen männlichen Begehrlichkeiten bewahrt wird. Sittliche Ausschreitungen in Form von Gewalt durch (fremde) Männer wurde hart bestraft. Nichtsdestotrotz herrschte ein zwiespältiges Verhältnis der Männer gegenüber der Frau. Im Grunde galt sie als ein „unfertiger Mann“. Sie soll dem Mann in Tugend und Moral nacheifern, denn sie galt als tugendlos und schwach; in der Annahme, die Frau vor sich selbst schützen zu müssen, wurde sie intensiver unterrichtet und belehrt als Männer, um sie von Torheiten abzuhalten.
Mit dem Beginn der höfischen Kultur Mitte des 12. Jahrhunderts gelangt die Frau in den gesellschaftlichen Mittelpunkt und ist maßgeblich an der Entwicklung dieser Kultur beteiligt - wenn auch vielfach in passiver Hinsicht: durch die „Entdeckung“ der Frau als Inbegriff von Schönheit und moralischer Vollkommenheit gelangen ritterliche Verhaltensweisen zu hoher Bedeutung. Eine vereinfachte Formel könnte lauten: je höher der gesellschaftliche Stand einer Frau, desto geringer ihre Selbständigkeit und Möglichkeit der Selbstverwirklichung. Während kleinadelige Frauen an den herrschaftlichen Funktionen wie Verwaltung und Wirtschaftsführung beteiligt waren, hatten hochadelige Damen in der Regel rein repräsentative Aufgaben; ihnen oblagen Begrüßung und Betreuung von Gästen. Sie hatten auch gelegentlich für deren körperliche Hygiene (z. B. baden) Sorge zu tragen und sie zu Bett zu geleiten. Bei Hoffesten sollten sie die Gäste mit Gesang, Dichtkunst, Vorlesungen und Musikspiel unterhalten.
Andreas Cappelanus (Ende 12. Jahrhunderts) schrieb in seinem „De Amore“, daß ein Mann sich ungefragt neben eine Frau setzen durfte, wenn er an Ansehen und Rang höher gestellt war als diese; war er gleichen Ranges, sollte er sie bitten, sich neben sie setzen zu dürfen; erfolgte keine Zustimmung, hatte er Folge zu leisten. Männer niederer Stellung hatten die Frau zu ersuchen, sich weiter unten setzen zu dürfen; erlaubte sie ihm, sich neben sie zu setzen, darf er es tun. Diese zuvorkommenden Gesten seitens der Männer galten nur für adelige Frauen. Cappelanus schreibt sinngemäß weiter, daß nichtadeligen Frauen mit Geringschätzung zu begegnen wäre, höfliche Schmeicheleien seien falsch und unstatthaft.

Denk- und Bewußtseinsformen:
Das emotionale Miteinander war ein ganz anderes als das Unsere. Findet es sich schon in den oben angeführten Umgangsformen, so noch mehr, was die Schamgrenze anbelangt: Was uns heute peinlich erscheint, darauf wurde im Alltag nicht sonderlich geachtet (siehe „Tischsitten“). So galt das gemeinsame Bad von Mann und Frau nicht als unsittlich, war z. B. eine Frau unbekleidet, aber mit einer Haube, einem Tuch oder einer anderen die Haare verhüllenden Kopfbedeckung im Bad, galt sie als züchtig. Scham und Peinlichkeit hatten andere Prioritäten als heutzutage. Die Burgenforschung bietet hier ein anschauliches Beispiel: die in die Außenmauer der Wände eingelassenen Aborte hatten bis ins Spätmittelalter hinein keine Tür. „Geschäfte“ wurden oftmals in aller Öffentlichkeit getätigt, was auch zeitgenössische Abbildungen bis ins 16. Jahrhundert hinein belegen. Gemütsregungen, Leidenschaften und dringliche körperliche Bedürfnisse erfuhren kaum eine Regulierung.
Das irdische Leben und Überleben galt als Vorbereitung und Bewährung für das wahre Leben nach dem Tod, nichts desto trotz suchte man seinen Weg und kämpfte um seine irdischen Rechte im Rahmen des ihm zugewiesenen Platzes.
Man verstand sich als Teil eines Ganzen, weniger als eigenständiges Individuum. Diese für uns heute selbstverständliche Eigenschaft war im Mittelalter kaum ausgeprägt. Das Wohl der Gemeinschaft stand im Vordergrund, denn eine funktionierende Gemeinschaft verhalf zu Sicherheit und geordneter Gleichförmigkeit. Der eigene Platz in dieser Gesellschaft wurde selten in Frage gestellt, da er Teil der göttlichen Ordnung war. Die eigene Position im Ständesystem nach außen hin zu zeigen, zu demonstrieren und zu sichern, war dem Mittelalter wichtiger als heutzutage. Besonders dem Adel war es daran gelegen, entsprechend seiner Stellung behandelt zu werden, was durch viele Details vom Gruß bis hin zum Abschied geregelt war.
Im umgekehrten Fall wurden ausgeprägte Individualität und ungewohnte Verhaltensformen mit Staunen betrachtet, so etwa der höchst ungewöhnliche Fußfall Kaisers Barbarossa 1176 zu Chiavenna vor seinem Vasall, dem Herzog Heinrich dem Löwen. Andererseits reagieren wir heute genauso auf nicht alltägliche Ereignisse: wer kennt nicht Willy Brands Kniefall 1971 in Polen? Norm und sogar tugendhaft war es, sich wie alle - wie „man“ - zu verhalten; „Wie seit alters her“, so gehörte es sich - traditionelle Verhaltensmuster gaben in einer Welt unvorhergesehener Nöte und Plagen Sicherheit und Gemeinschaftsgefühl. Die Norm sah auch vor, daß ausnahmslos jeder seinen Herrn hatte und auch kannte. Kaiser und Papst hatten in Gott ihren Herrn; das Herrenlos umherziehende „Fahrende Volk“ wie Gaukler und Spielleute galten nicht nur deswegen als suspekt.
Die persönliche Freiheit verstand sich in der Harmonie mit der herrschenden Ordnung. Unzufriedenheit, individuelle Gefühle und Seinkrisen entstanden durch die Störung des Bestehenden wie etwa Unterdrückung, Ausbeutung oder extreme Überforderung. Die eigenen Interessen wurden vehement verteidigt, wenn die unmittelbare Ordnung ins Wanken geriet. Notfalls wurde mit Gewalt versucht, diese Ordnung wieder herzustellen.
Tiefe Frömmigkeit durchzog das ganze Leben. Die Frage nach der Erlösung und dem Jenseits und die unangefochtene Herrschaft Gottes beeinflußten nachhaltig das Handeln und Denken eines Jeden.
Der direkt faßbare Raum, in dem man sich bewegte, wurde mit dem Maß des eigenen Körpers wahrgenommen, mit „Schritt“, „Fuß“, „Elle“, „Spanne“ und „Finger“ . Größere Entfernungen wurden in „Morgen“ und „Tage“ eingeordnet. Jeder verstand, daß ein Morgen Feld eben eine Fläche war, die man an einem Morgen bewirtschaften konnte. Was weit darüber hinaus lag, sprengte den persönlichen Vorstellungsrahmen. Wegbeschreibungen, wie etwa ins heilige Land, mündeten in Erzählungen über Erlebnisse an Orten am Wegesrand.
Die Natur wurde nicht als Ganzes empfunden, sie wurde zwar wahrgenommen, doch generell nur in ihren Einzelheiten und nicht in ihrem Zusammenhang. Die großen Wälder wurden als Bedrohung empfunden, weswegen die Rodung dieser Flächen vorangetrieben wurde.
Wirkliche Welt und Vorstellung hatten keine Grenzen. Geister und Dämonen, Tugenden und Laster waren für den mittelalterlichen Menschen objektiv und tatsächlich existierend. Zeit und Raum wurden anders verstanden: Zeitliche Orientierung erfolgte am Stand der Gestirne, an der Wechselfolge von Tag und Nacht, am Wechsel der Jahreszeiten. Die im Kreislauf der Natur wiederkehrende Regelmäßigkeit übertrug sich auf das Ordnungs- und Orientierungsbild des Menschen. Die Wiederholung und Gewohnheit war das ständige maß des Alltages, es bestimmte Bewußtsein und Verhalten. Das Weltbild erschütternde Ereignisse wie Katastrophen und Kriege waren darum schwer zu verarbeiten und in den Jahreskreis einzufügen. Solche Einmaligkeiten wurden besonders zur Kenntnis genommen (besonders durch schriftliche Zeugnisse) .
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft waren dem Zeitgenossen abstrakte Werte, die ihm nicht allzu viel sagten. Gewesenes vermischte sich mit dem Dasein, zwar waren historische Ereignisse bekannt, doch wußte man nicht zu sagen, wann genau jene geschahen. Auch das eigene Alter konnte nur relativ vage angegeben werden, es war nicht unbedingt wichtig für die eigene Existenz. Das Unvermögen, die Andersartigkeit gewesener Zeiten zu verstehen, übertrug sich auch auf alles Fremde. Andere Ansichten oder Lebensgewohnheiten waren nur schwer zu verstehen. Toleranz oder Intoleranz waren damals kein Thema. Man versuchte, das Fremde zu verstehen, doch fiel es sehr schwer, brachte es doch die eigene Ordnung gehörig durcheinander und das Fremdartige will erst einmal in diese geordnete Welt eingefügt werden. Was man nicht recht verstand, wurde schlichtweg ignoriert, ließ es sich nicht zuordnen, oder man verband es mit der Geisterwelt. Der Mensch des Mittelalters erkannte und akzeptierte das Fremde nur in soweit, als er sich darin selbst zu erkennen glaubte.

Tischsitten:
Das gemeinsame Speisen diente nicht nur dem Vergnügen, es war gleichzeitig ein Rechtsakt, durch den die Anwesenden am Tisch zu einer Friedens- und Freundschaftsgenossenschaft wurden. Hierbei war die Sitzordnung entsprechend dem Rang des Einzelnen äußerst wichtig: falsche Sitzplatzierung der Gäste, sei es aus Versehen oder aus Absicht, konnte den Friedenscharakter eines solchen Mahles empfindlich stören. Die Kopfseite gebührte stets dem (Haus-)Herrn. Ehrerweisend war es für den Betreffenden, wurde ihm ein Sitzplatz gegenüber des Herrn auf der anderen Kopfseite der Tafel oder direkt neben ihm zugewiesen. Oft war auch der mittige Platz an einer Tafel dem Herrn vorbehalten, während an seinen Seiten und ihm gegenüber die privilegierten Gäste saßen Eine häufige Gewohnheit war es, daß das Fürstenpaar oder der Fürst für sich alleine an einem eigenen Tisch saßen; auch hier wurde ein Gast durch einen Platz an diesem Tisch geehrt. Eine Auszeichnung für den Gast war es gleichwohl, wenn sich die Gattin des Gastgebers neben ihn setzte. Sie ehrte den Gast weiterhin, wenn sie ihm die Speisen vorlegte und einschenkte. Diese Sitte stammt als Fragment aus der Zeit, als die Männer für sich aßen und die Frauen bedienen mußten.
Durch die Intimität der Nahrungsaufnahme und die Repräsentation des Einzelnen war das kontrollierte Verhalten zwingend: „Die Disziplin des kontrollierten Verhaltens darf beim Essen nicht vernachlässigt werden, damit nicht in Benehmen oder in der Gestik etwas Unanständiges oder Unwürdiges geschieht. Nichts soll mit Lärm und Unrast gemacht werden, sondern alle Glieder sollen mit Sittsamkeit und Ruhe durch Beherrschung in Zaum gehalten werden“. Hugo de St. Victor
Neben der Rangordnung gehörte es sich auch, daß ein Ritter neben die von ihm verehrte (Minne-) Dame gesetzt wurde. Sie erhielten gemeinsam einen Becher und eine Schüssel. Der Mann, besonders der Minneritter, schnitt seiner Dame das Fleisch zurecht. Servietten waren nur in Hochadelskreisen bekannt, die französische Sitten kannten. Gute Freunde aßen gemeinsam von einem Gedeck. Trunkenheit galt im Hochmittelalter am Hofe als verwerflich und trug nicht zum Ansehen eines Ritters bei. Das Besteck (Messer und Löffel) wurde selbst mitgebracht. Zum Mahl durch den Gastgeber auf den Tisch vorgelegt wurde das Besteck erst zu Ende des 17. Jahrhunderts.
Der Zutrunk war eine Form der Vertragsabwicklung (Kauf, Verlobung Heirat, sonstige geschäftliche Angelegenheiten). Sehr oft bildete der gemeinsame Trunk den Abschluß einer Bezeugung von Urkunden. Die Annahmeverweigerung eines Zutrunks konnte schnell als schwere Ehrverletzung aufgefaßt werden. Bei Trinksprüchen hatte man darauf zu achten, wem man und auf was man zutrank - auch hier griff wieder das Ständebewußtsein: ein Ranghöherer konnte, mußte aber nicht einen Zutrunk Rangniederer erwidern, während es bei Gleichrangigen zur Pflicht wurde. Ein Anhänger eines bestimmten Fürstenhauses trank z. B. nicht auf das Wohl eines Geschlechts, mit dem sein Herr in Fehde oder Streit lag.

Aus der Chronik Arnolds v. Lübeck sei ein Beispiel gebracht, das die Wichtigkeit des Sitzplatzes sehr anschaulich darlegt, geschehen auf dem Mainzer Hoffest des Kaisers Friedrich Barbarossa, 1184: Der Fuldaer Abt bat bei einer Fürstenversammlung um den Stuhl zur Linken Barbarossas, da dies ein altes Fuldaer Vorrecht sei, das der Abtei durch das Erzbistum Köln genommen wurde, „Da sagte der Kaiser zum Erzbischof: ´Hört ihr, was der Abt sagt? In Folge seines Gesuches bitten wir euch, heute unser Fest nicht stören zu wollen und ihm den Platz, auf den er Anspruch zu haben behauptet, nicht zu verweigern`. Nach dieser Anrede erhob sich der Erzbischof und sprach: ´Herr, es geschehe, wie es euch gefällt, ... ich aber will mich mit eurer Erlaubnis in meine Herberge begeben`. Als er sich darauf schon zum Fortgehen anschickte, stand an der Seite des Kaisers sein Bruder, der Pfalzgraf bei Rhein, auf und sprach: ´Herr, ich bin Lehnsmann des Kölner Herrn; es ist billig, daß ich ihm folge, wohin er geht`. Darauf erhob sich auch der Graf von Nassau und sprach: ´Auch ich werde mit eurer Erlaubnis meinem Herrn, dem Erzbischof folgen´. Ebenso erklärte sich auch der Herzog von Brabant und viele vornehme Herren. Da sagte Landgraf Ludwig, der ein Lehnsmann des Abtes war, zu dem Grafen von Nassau: ´Ihr habt euer Lehen heute schön verdient`. Jener antwortete: ´Ich habe es verdient und werde es beweisen, wenn es nötig ist`. Als nun der Erzbischof fortging, sprang der jugendliche König, der ein gewaltiges Aufsehen entstehen sah, von seinem Sitze auf, fiel dem Erzbischof um den Hals und sprach: ´Ich bitte dich, liebster Vater, bleibe hier und verwandle unsere Freude nicht in Trauer´. Auch der Kaiser selbst bat ihn zu bleiben ... Da antwortete der Erzbischof: ´Ich hätte nicht gedacht, daß ihr mir in Gegenwart aller Fürsten eine solche Kränkung zufügen würdet“.
Die Lehnsmänner des Erzbischofes und er selbst nehmen diese Rangminderung nicht hin und drücken durch ihr Fortgehen ihre Verärgerung aus. Durch die anschließende Provokation des Landgrafen hätte es zu einem bewaffneten Konflikt kommen können, wenn nicht der König die brisante Lage zum Guten gewendet hätte. Der Kaiser konnte den Abt überzeugen, seinen Platz zu räumen, was dieser auch widerwillig tat und einen für ihn beschämenden „niedrigeren“ Stuhl setzte. Der Erzbischof erhielt den nun freien Platz neben dem Kaiser.

Sittenregeln zu Tische im Einzelnen:
Tische bedürfen Tischtücher, blanke Tische sind unschön und bäuerisch
Sich ohne Kopfbedeckung zu Tisch (am Hof) zu begeben, ist unschicklich
Vor dem zu Tische gehen und nach dem Essen soll man seine Hände waschen (den Damen wird das Wasser zuerst gereicht, wobei Gemahl, Liebhaber oder Diener ihnen die Ärmel halten)
Man lege rechts von sich Becher und Messer, links das Brot
Bei Tisch nur reden, wenn es nötig ist
Der Wirt soll dafür sorgen, daß alle Gäste genug speisen können
Der Wirt soll keine Gerichte auftragen, die seine Gäste nicht essen (aus Tradition, Gewohnheit, religiösen oder sittlichen Gründen)
Der Löffel soll mit der Kuhle nach unten liegen, da sich ansonsten der Teufel hinein setzen könnte
das Mahl soll nicht mit dem Trinken begonnen werden
Beim Trinken soll man in den Becher sehen und sich vorher den Mund wischen
Beim Trinken soll man auch nicht in den Becher husten, noch Geräusche machen wie ein Pferd
Das Brot beim Schneiden nicht an die Brust drücken
Das Brot nicht essen, bevor der erste Gang gereicht wird
Der Gast möge bescheiden sein und mit dem gebotenen zufrieden sein
Angebotene Speise nicht schroff ablehnen, sondern höflich danken
Seinem Tischgenossen nehme man nichts fort
Biete nicht anderen den Rest deiner Suppe oder das Brot, von dem du schon gebissen hast
Keine zu großen Stücke in den Mund nehmen, so daß die Krumen links und rechts herausfallen
Vor dem Schlucken gut durchkauen, um nicht als Gierschlund zu gelten oder sich zu verschlucken
Nicht mit vollem Mund reden
Nicht mit beiden Händen zugleich essen
Nicht mit anderen zugleich in die (gemeinsame) Schüssel greifen
Nicht die Finger in den Becher tauchen
Nicht mit bloßer Hand ins Salzfässlein greifen
Fettige Finger nicht am Gewand oder den Stiefeln abwischen und dann wieder ins Essen langen
An Kopf oder Hals kratze man sich nicht mit bloßer Hand, sondern nehme einen Zipfel des Gewandes
Beim Essen nicht an Augen, Nase oder Ohren zu schaffen machen
Beim Auflegen von Speisen nicht die Finger benutzen
Abgenagte Knochen oder angebissene Stücke nicht zurück in die (gemeinsame) Schüssel legen
Speisereste in eine dafür vorgesehene Schüssel oder auf den Boden werfen (der Boden wurde bei einem größeren Mahl in der Regel mit Tüchern, Binsen aromatischen Kräutern und/oder Blüten ausgelegt)
Das schmutzige Messer nicht an Tischtuch oder Gewand, sondern am Brot abwischen
Den Teller nicht mit den Fingern auswischen
Das Stochern in den Zähnen mit dem Messer oder das Weiten des Gürtels ist ungehörig
Nach Beendigung des Mahles und dem Abdecken der Tische ziemt sich ein stehendes Dankgebet.

Quellen und Literatur:
Althoff, G.: Spielregeln der Politik im Mittelalter. Darmstadt 1997
Brüggen, E.: Kleidung im Mittelalter. Fiktion und Realität. In: Jahrbuch für Volkskunde, N. F. 1991
Borst, O.: Alltagsleben im Mittelalter. Frankfurt 1983
Bumke, J.: Höfische Kultur. München 1997
Goetz, H.-W.: Leben im Mittelalter. München 1991
Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte 1, „Gebärden“. Berlin 1971
Hüpper, D.: Wolfram von Eschenbach, Willehalm - Zu Text und Bild in der ´Großen Bilderhandschrift`. In: Festschrift für Ruth Schmidt-Wiegand. Essen 1996
Meller, G.: Denk- und Bewußtseinsformen im hohen Mittelalter. In: Toman, R.: Das hohe Mittelalter. Besichtigung einer fernen Zeit. Köln 1988
Nitschke, A.: Bewegungen in Mittelalter und Renaissance. Kämpfe, Spiele, Tänze, zeremoniell und Umgangsformen. Düsseldorf 1987
Peil, D.: Die Gebärde bei Chrétien, Hartmann und Wolfram: Erec, Iwein, Parzival. München 1975
Roos, R.: Begrüßung, Abschied, Mahlzeit. Studien zur Darstellung höfischer Lebensweise in Werken der Zeit von 1150-1320. Bonn 1975
Rösener, W.: Die höfische Frau im Hochmittelalter. In: Fleckenstein, J.: Curialitas. Göttingen 1990
Rückert, H.: Thomasin von Zerklaere, der Welsche Gast. Quedlinburg/Leipzig 1852
Schmidt-Wiegand, R.: Gebärdensprache im mittelalterlichen Recht. In: Frühmittelalterliche Studien 25. Berlin 1991
Schreiner, K.: „Er küsse mich mit dem Kuß seines Mundes“. Metamorphik, kommunikative und herrschaftliche Funktionen einer symbolischen Handlung. In: Ragotzky, H./Wenzel, H.: Höfische Repräsentation. Tübingen 1990
Schultz, A.: das Höfische Leben zur Zeit der Minnesinger. Breslau 1889
Spiess, K.-H.: Rangdenken und Rangstreit im Mittelalter. In: Pavarinci, W.: Zeremoniell und Raum. Sigmaringen 1997
Waas, A.: Der Mensch im deutschen Mittelalter. Wiesbaden 1996
Wenzel, H.: Höfische Repräsentation. Zu den Anfängen der Höflichkeit im Mittelalter. In: Soeffner, H.-G.: Kultur und Alltag. Göttingen 1988
Wenzel, H.: Hören und Sehen - Schrift und Bild. Kultur und Gedächtnis im Mittelalter. München 1995

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   Krankheiten des Mittelalters

Das Leben der Menschen war entscheidend geprägt von fehlender Zukunftssicherheit, die aus schlechten Lebensbedingungen, mangelnder Hygiene und Krankheiten wie dem Antoniusfeuer, der Lepra und vor allem der Pest resultierte. Der mittelalterliche Umgang mit Krankheiten war geprägt von Glaube, Aberglaube und medizinischer Tradition. Krankheit wurde als Strafe Gottes, als Werk des Teufels empfunden, Heilung konnte allein von Gott kommen. Armut und Krankheit galten im Mittelalter als Gebrechen. Arme und kranke Menschen sollten deshalb nach christlicher Auffassung unterstützt werden.

Die Lepra (Aussatz)

Aussatz ist eine bakteriell hervorgerufene Infektionskrankheit, die charakteristische Veränderungen der Haut und Nervenstränge hervorruft. Die Seuche gehörte zum mittelalterlichen Alltag, obwohl stets nur geringe Anteile der Bevölkerung daran erkrankt waren.
Ihre Verbreitung in Europa lässt sich auf die Migrationen der Völkerwanderungszeit und die Zeit der Kreuzzüge im 11.-13. Jahrhundert zurückführen. Für die Menschen stellte der Aussatz eine Faszination dar, weil er als ansteckend, unheilbar und verstümmelnd galt. Die Gesellschaft verhielt sich zwiespältig zum Erkrankten, da man eine Ansteckung auf Sündhaftigkeit zurückführen konnte, andererseits das Gebot der Nächstenliebe beachten musste. Im Mittelpunkt stand jedoch der Schutz der gesunden Bevölkerung vor Ansteckung. Aussätzige mussten nach Entdeckung der Krankheit in Sondersiechen- oder Leprosenhäusern außerhalb der Stadt leben und, etwa beim Betteln, durch akustische Signale (Klapper, Hornsignal, Rufen) auf sich aufmerksam machen. Aussatz galt auch als erbliche Krankheit, was einer moralischen Verurteilung der Betroffenen Vorschub leistete. Die Pfarrer waren verpflichtet, Personen mit Verdacht auf Lepra zu melden, um eine Untersuchung herbeizuführen.

Seit dem 13. Jahrhundert wurde diese Untersuchung (Leprosenschau) zunehmend von Stadt- und Wundärzten durchgeführt. Das Mittelalter verfügte dabei bereits über ein ausgefeiltes und effektives Diagnoseschema. Eine wirksame Therapie entwickelte die mittelalterliche Medizin nicht. Als Gegenmaßnahme wurde von 'schlechter Luft', austrocknenden und kühlenden Speisen abgeraten und Badekuren empfohlen.
Allerdings hat nicht die mittelalterliche Heilkunde, sondern die aus der Antike übernommene Absonderung der Aussätzigen zum allmählichen Schwinden des Aussatzes in Europa ab 1400 geführt.

Das Antoniusfeuer

Der Auslöser dieser seuchenartig verlaufenden Krankheit ist ein sehr giftiger Pilz (Mutterkorn), der sich in der Roggenähre einnistet. Sein Giftgehalt ist kurz vor der Ernte am höchsten und nimmt nach drei Monaten bereits stark ab. Mutterkornvergiftungen gab es oft nach Missernten, weil dann die Frucht wegen des Getreidemangels mit allen Verunreinigungen sofort nach der Ernte verbraucht wurde.

Die Vergiftung kann in zwei Formen, als brandige und als krampfartige, auftreten. In Deutschland war vor allem die Krampfartige, die das Nervensystem befällt, verbreitet. Die Brandige führte meist zum Verlust von Extremitäten, die nach der Erkrankung entweder von selbst abfielen oder amputiert wurden. Diese Form der Krankheit wurde häufig überlebt. Uns sind eigenartige Mittel zur Bekämpfung der Mutterkornvergiftung überliefert, wie Bleiweiß, Steinstaub, Oster- und Pfingsttau, Pech und Wagenschmiere und verschiedene Nahrungs-mittel.

Die zweite krampfartige Form kann schon am Tag des Getreidegenusses auftreten. Sie äußert sich meistens mit heftigen Rückenschmerzen, Kribbeln in den Gliedern, begleitet von Herzstörungen, Erstickungsanfällen und starker Müdigkeit.
Weiter kann es zu Krampfanfällen kommen, wobei die Muskeln in abnormen Stellungen stehen bleiben. Das Bewusstsein bleibt völlig erhalten. Bei dieser Form der Mutterkornvergiftung ist die Sterberate sehr hoch. Der Tod tritt oft während eines Krampfanfalls ein. Die Menschen im Mittelalter erkannten die Krankheitsursache nicht. Erst 1630 entdeckte ein Arzt aus Antwerpen den Zusammenhang zwischen dem Mutterkorn des Roggen und der brandigen Form des Ergotismus.

Die Cholera

Den arabischen und europäischen Seefahrern war bekannt, dass es in Südasien eine Krankheit gab, der man die alte griechische Bezeichnung "Cholera", also "Gallenfluss", gegeben hatte. Sie äußerte sich durch starken Durchfall, heftiges Erbrechen, bläuliche Körperflecken und schnelle Gewichtsabnahme. Der Kranke starb innerhalb weniger Tage oder Wochen an Austrocknung. Wie bei allen Krankheiten und Seuchen des Mittelalters wurde auch hier die Ausbreitung durch die Intensivierung des Handels verstärkt. Es ist auch generell festzustellen, dass viele Seuchen und Krankheiten aus der asiatischen Region stammen und im damals "schmutzigen" Europa einen idealen Nährboden vorfanden, der durch mangelnde Hygiene und wenig medizinisches Fachwissen verstärkt wurde.

 Die Ruhr

Die Ruhr wirft sehr viele komplexere bakteriologische und damit medizingeschichtliche Fragen auf. Unter dem Begriff fasst man Infektionskrankheiten des Verdauungsapparates mit bestimmten klinischen Symptomen und Verläufen zusammen, die jedoch durch sehr unterschiedliche Erregertypen verursacht werden. Daher muss auch die historische Rolle unklar bleiben, da man zu dieser Zeit noch keine Mikroben und Keime kannte.

 Das Fleckfieber

Das Fleckfieber ist eine durch Läuse übertragene bakterielle Infektionserkrankung, die unbehandelt in der Hälfte der Fälle zum Tod führt. Im Vergleich zur Cholera richtete das Fleckfieber nicht so viel Schaden an. Das Fleckfieber war zu allen Zeiten eine typische "Kriegskrankheit". Doch auch in Friedenszeiten wurden die Leute von dieser Infektionskrankheit nicht verschont, die wie alle Seuchen auf Handelsrouten, Seidenstraßen, Salzstraßen und Pilgerwegen aller Religionen verbreitet wurde.

Die Betreuung und Verpflegung
von Kranken lag im Mittelalter vor allem in den Händen religiöser Ordensgemeinschaften. Ausschlaggebend für Nonnen und Mönche, sich in den Dienst der Krankenpflege zu stellen, war ihre christliche Verpflichtung zur Nächstenliebe. Ihr Wissen schöpften sie aus den medizinischen Überlieferungen des klassischen Altertums. Vorbilder waren der Grieche Hippokrates und der römische Arzt Galen. Aber auch der Glaube an wundertätige Heilige war ein wichtiger Aspekt bei der Krankenbetreuung. Kirchliche Dogmen und Erlasse behinderten aber auch das freie Forschen und Operieren und somit die gezielte Erweiterung des Wissens um die Zusammenhänge im menschlichen Körper.
Als Krankheitsursache sah man oft eine fehlerhafte Lebensführung im Hinblick auf Kleidung, Nahrung oder körperliche Anstrengung an. Starke Gerüche, hohe Temperaturen und Feuchtigkeit zählten ebenso zu den Krankheitsauslösern. Durch eingeatmete "verdorbene", "schlechte" Luft, die zu viel Feuchtigkeit enthalte, werde das Blut mit "erhitzter Fäule entzündet" und verdorben, so glaubte man.
Letztendlich jedoch seien viele Krankheiten nur auf ein Ungleichgewicht der Körpersäfte zurückzuführen und mit einer Wiederherstellung der Harmonie zu behandeln. Daraus entwickelten sich Diäten in allen möglichen Formen. Bei der Reinigung (griech.: katharsis) wurden dem Körper alle überflüssigen oder ungesunden Säfte entzogen. In den Reinigungsprozess involviert wurde nicht nur die erkrankte Stelle, sondern der gesamte Organismus, der als Einheit empfunden wurde.
Durch Anwendungen wie Schwitzen, Aderlassen, Purgieren versuchte man die krankmachende Materie, das Gift wieder aus dem Körper herauszubringen. Beliebtestes Heilverfahren war der Aderlass. Er wurde bei vielen Krankheiten, aber auch als Entlastung nach allzu üppigen Mahlen angewendet. Dieses Verfahren wurde an verschiedenen Adern vorgenommen. Es gab festgelegte Tage, an denen zur Ader gelassen wurde, Tage des abnehmenden Mondes wurden bei dieser Praktik bevorzugt. Eine immer größere Bedeutung bei der Behandlung von Kranken nahmen Heilkräuter ein. Kenntnisse über die pharmakologische Wirkung von Pflanzen und Heilkräutern lieferte das ganzheitliche Denken der Hildegard von Bingen bereits im frühen Mittelalter

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Der Aderlass
war seit der Zeit des Hippokrates bekannt und wurde auch von Galen (griechischer Arzt) befürwortet, nachdem dieser entdeckte, dass die Adern mit Blut gefüllt waren und nicht mit Luft, wie vielfach angenommen wurde.
Der Nutzen des Aderlassegewicht seiner vier Säfte (Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim) zurückgeführt. Durch Ableiten überschüssigen Blutes konnte nach dieser Vorstellung das Gleichgewicht wiederhergestellt werden.
Galen glaubte, Blut sei der dominante Saft und müsse besonders kontrolliert werden. Er stellte ein umfassendes System auf, das die Menge des zu entnehmenden Blutes aus dem Alter des Patienten, seinem Zustand sowie aus Jahreszeit und Wetterbedingungen ableitete.
Auch in der islamischen Medizin war der Aderlass bekannt, wahrscheinlich durch die griechischen Autoren. Die historisch wichtigen medizinischen Schriften Kitab al-Qanun von Ibn Sina (Avicenna) und insbesondere Al-Tasrif li-man 'ajaza 'an al-ta'lif empfehlen den Aderlass.
Die ayurvedische (Wissen vom Leben) Medizin kannte den Aderlass ebenfalls, wie in der Susrata Samhita dargestellt ist.
Obwohl im Mittelalter die Viersäftelehre als überholt galt, war der Aderlass eine typische Heilpraktik des Baders. Eine weite Palette von Krankheiten wurden durch den Aderlass behandelt; man kann fast von einer universellen Methode sprechen. Insbesondere in den USA favorisierte Benjamin Rush ein extensives Aderlassen. George Washington wurden nach einem Reitunfall mehr als 1,5 Liter Blut entnommen; dieser Verlust kann zu seinem Tode beigetragen haben.
Auch nachdem William Harvey im Jahre 1628 die Grundlagen des Aderlasses widerlegt hatte und erste Schritte zu einer auf wissenschaftlichen Methoden basierenden Medizin gemacht waren (la méthode numérique), blieb der Aderlass eine verbreitete Behandlungsmethode. Der Nachweis Pierre Louis um 1800, dass der Aderlass bei einer Lungenentzündung und bei vielen Fiebererkrankungen unwirksam sei, hatte ebenfalls kaum Einfluss auf die allgemeine Anwendung.

Aderlassmännlein aus Konrad von Megenberg „Buch der Natur“

Ein Grund für die verbreitete Anwendung des Aderlasses war das unzureichende Verständnis von Krankheitsursachen, trotz bedeutender Fortschritte in der Anatomie und in Operationsmethoden. Es wurde angenommen, es sei besser irgendetwas als nichts zu tun. Teilweise wird der Aderlass auch eine positive psychologische Wirkung gehabt haben.


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  Spiele des Mittelalters  
 


Bruchenball (Brouche)

Der Ursprung des Spiels liegt in der Ausbildung der Knappen. Sie sollten in die Lage versetzt werden Ihren Herrn während einer Feldschlacht zu retten, wenn er verletzt wurde. Es ging gleichermaßen um Kraft wie auch um Geschicklichkeit. Die Knappen der einzelnen Ritter maßen sich regelmäßig in diesem Spiel. Dabei kam es häufig zum Einsatz von Waffen. Da die Knappen in starker Konkurrenz zueinander standen und der Erfolg beim Spiel ihren Status erhöhen konnte, kam es häufig zu gefährlichen Verletzungen und auch zu Todesfällen. Die Ritter beschlossen daraufhin, die Bruche (Unterhose) als einzige Spielkleidung zuzulassen und so das unerlaubte mitführen von Waffen zu unterbinden. Bruchenball wurde im Früh- und Hochmittelalter gespielt. Wegen Verletzungen und Toten beim Spiel, sowie massiven Ausschreitungen rund um die Spielfelder wurde das Spiel von König Eduard verboten.

Der Ball war eine mit Tannenzapfen gefüllte Kuhhaut die bis zu 140 KG wiegen durfte und einen Durchmesser zwischen 90-120 cm hatte, anderweitig ist auch zu lesen er hätte die Abmessungen eines Mannes.

Das Spielfeld besteht aus einem Spielkreis mit etwa sechs Metern Durchmesser und zwei gegenüberliegenden Torkreisen mit je einem Meter Durchmesser.

Eine Mannschaft besteht aus vier Spielern/-innen oder auch mixed. Gewechselt werden darf nur während der Pause. Ausnahmen sind eine schwere Verletzung wenn der Spieler sich nicht mehr selbst vom Spielfeld bewegen kann. Der Kader darf aus maximal 8 Spielern bestehen.

Beide Mannschaften befinden sich im Spielkreis. Die einzelnen Spieler sind nicht an Positionen gebunden. Der Ball liegt in der Mitte. Eine Berührung vor Spielbeginn ist verboten. Ziel des Spiels ist es durch Treten, Rollen, Werfen oder Tragen den Ball in den gegnerischen Torkreis zu bringen. Alles ist erlaubt mit Ausnahme von gezielten Schlägen oder der Gebrauch von Waffen. Eine Nichtbeachtung der Regeln führt zur Disqualifikation der gesamten Mannschaft durch die Schiedsrichter. Verlässt ein Spieler den Spielkreis darf er erst wieder eintreten, wenn ein Tor gefallen ist bzw. wenn der Schiedsrichter das Spiel unterbricht.


Die Spieldauer beträgt 2 mal 3 Minuten mit einer Pause von 1 Minute. Bei Gleichstand nach Ablauf der regulären Spielzeit gilt die Golden Goal Regel.

Der Turniermodus
:
Vorrunde, Zwischenrunde, kleines und großes Finale.

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  Kubb

(in Deutschland auch unter dem Namen Wikingerschach bekant) ist ein taktisches Gesellschaftsspiel. Es symbolisiert eine Schlacht, in der zwei verfeindete Gruppen für ihren König kämpften. In der heutigen Form wird es seit ca. 1990 gespielt. Heute wird es vor allem in Schweden und Norwegen gerne gespielt, doch auch in Deutschland ist es nicht mehr selten.

Spielidee
Zwei Mannschaften oder zwei einzelne Spieler versuchen jeweils die Holzklötze (Klotz=Kubb) der Gegenpartei mit Wurfhölzern umzuwerfen oder zu "fällen". Der König, der in der Mitte des Spielfelds steht, muss als letzter getroffen werden.

Spielmaterial und Spielvorbereitung

Das Spiel wird von zwei Personen oder zwei Mannschaften auf einer rechteckigen Fläche, die traditionell 5 auf 8 Meter groß ist, gespielt. Die Größe kann je nach Fähigkeiten der Spieler frei gewählt werden. Die Fläche kann mit Grenzhölzern auf dem Rasen abgesteckt werden. Ebenso gut kann man Kubb auf Sand oder Schnee spielen.

Man benötigt ansonsten sechs massive Rundhölzer, die man zum Werfen verwendet, zehn Klötze (Kubbs), die es abzuwerfen gilt und einen größeren König. Die eckigen Klötze sind in der Regel 7 auf 7 cm groß und 15 cm hoch. Dies wurde in der Abbildung provisorisch gelöst, normalerweise sind die Klötze eckig und bestehen aus einem Stück Holz.

Die Rundhölzer zum Werfen sind etwa 30 cm lang und 4 cm dick, der König misst circa 9*9 cm und ist 30 cm hoch. Die Klötze werden, wie in der Abbildung, in zwei Reihen aufgestellt. Der König befindet sich in der Mitte. Bevor das Spiel beginnt, werden zwei etwa gleichstarke Mannschaften gebildet. Das Spiel kann aber auch zu zweit gespielt werden. Die beiden Teams positionieren sich nun auf beiden Seiten hinter der Grundlinie, die durch die aufgestellten Klötze (Basiskubbs) gebildet wird.

Die beiden Teams sollten abwechselnd beginnen, da das Team, das anfängt, einen kleinen Vorteil hat.

Spielverlauf

Die beginnende Mannschaft erhält als erste die sechs Wurfhölzer. Alle Teammitglieder bekommen nach Möglichkeit dieselbe Anzahl an Wurfhölzern. Nun wird versucht, die gegnerischen Klötze durch Werfen der Rundhölzer zu fällen. Dabei wird grundsätzlich von unten und mit dem Handrücken nach vorne geworfen. Der Stab soll dabei mit seiner Längsachse in Wurfrichtung fliegen, Horizontalwürfe und rotierende Würfe sind verboten. Die Wurfhölzer und eventuell umgeworfene Klötze bleiben liegen, bis alle Teammitglieder ihre Hölzer geworfen haben. Haben alle Teammitglieder ihre Würfe abgeschlossen, werden die Wurfhölzer wieder eingesammelt und gehen an die gegnerische Partei.

Die umgefallenen Kubbs werden nun vom gegnerischen Team auf die von ihnen gesehen andere Seite geworfen und dort aufgestellt. Das Team hat pro Kubb maximal zwei Versuche, um das gegnerische Feld zu treffen. Landet der Kubb auch beim zweiten Versuch außerhalb des Feldes, also entweder in der eigenen Hälfte oder hinter der gegnerischen Grundlinie, darf das andere Team den Kubb beliebig positionieren. Es muss dabei allerdings vom König oder von den Eckpunkten mindestens eine Wurfholzlänge Abstand einhalten. Die eingeworfenen Kubbs werden nun Feldkubbs genannt. Diese Feldkubbs gilt es für das werfende Team nun zunächst zu fällen, bevor sie die anderen, am Ende des Spielfeldes positionierten Basiskubbs umwerfen dürfen.

Das Team, das versucht, einen Feldkubb in das andere Feld zu werfen, wird hier eine von zwei Taktiken anwenden: Die erste Möglichkeit ist es, zu versuchen, den Klotz möglichst nahe hinter die Mittellinie zu werfen. Dies hat den Vorteil, dass er aufgrund der geringeren Distanz einfacher zu treffen ist. Eine andere Möglichkeit ist es, den Klotz möglichst nahe zu einem anderen Klotz zu werfen. Hier besteht dann die Chance, beide auf einmal zu treffen und zu fällen. Die Aufstellung des Kubbs erfolgt immer an der Stelle, wo dieser gelandet ist, dabei ist es jedoch der aufstellenden Partei überlassen, in welche Richtung er zum Hinstellen gekippt wird. Liegt der Kubb auf der Mittellinie oder einer der Außenlinien, so muss er immer so aufgestellt werden, dass mindestens die Hälfte seiner Grundfläche über die Linienmitte ragt.

Nachdem alle Feldkubbs platziert sind, muss die werfende Partei nun zuerst diese fällen, bevor sie Basiskubbs umwirft. Dabei ist es auch möglich, mehrere Kubbs mit einem Wurf zu fällen. Falls allerdings einer der auf der gegnerischen Linie Basiskubbs umgeworfen wird, bevor alle Feldkubbs gefällt wurden, muss dieser wieder aufgestellt werden. Sind alle Feldkubbs gefällt, darf wieder auf die Basiskubbs geworfen werden. Alle umgeworfenen Kubbs erhält nun wiederum die andere Mannschaft, die sie wieder als Feldkubbs einwirft. Gelingt es einer Mannschaft nicht, alle Feldkubbs zu fällen, so darf die gegnerische Mannschaft in ihrer Runde bis zum ersten stehengebliebenen Kubb in das Feld vorgehen. Er bildet also die neue Wurflinie. Die Feldkubbs werden in einem solchen Fall zwar weiter von der Grundlinie geworfen, die Wurfhölzer wirft man nun aber von der neuen Wurflinie.

Spielende

Bei allen Würfen sollte darauf geachtet werden, nicht den König zu fällen, denn in diesem Fall hat das Team, das ihn zu früh trifft, verloren und das Spiel ist vorzeitig beendet. Erst nachdem eine Mannschaft alle gegnerischen Feld- und Basiskubbs umwerfen konnte, darf sie versuchen, den König zu fällen. Gelingt dies, so hat sie das Spiel gewonnen.

Spielvarianten

Wie bei fast jedem Spiel gibt es natürlich auch beim Kubb eine Reihe von Varianten der oben dargestellten Regeln. Die einfachste Variante ist dabei eine Verkleinerung des Spielfeldes oder eine Verringerung der Basiskubbs, um das Spiel etwas zu verkürzen.
Ein sehr beliebte Variante bezieht sich auf die Platzierung der Feldkubbs. Dabei kann von der einwerfenden Partei versucht werden, bereits vorher eingeworfene Feldkubbs zu treffen. Gelingt dies, so werden beide Kubbs zu einem Turm gestapelt der bei weiteren Treffern noch wachsen kann. Beim Abwerfen der Feldkubbs gelten dann alle die Kubbs als gefällt, die in dem Turm enthalten sind.
Nach einer weiteren Variante werden gefällte Feldkubbs direkt aus dem Spiel genommen, sie werden also nicht wieder in das gegnerische Feld geworfen.
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Von wann bis wann war welche Zeitepoche?

Nun, es war ja nicht so, das sich irgendwann zu Beginn des Mittelalters jemand hinsetzte und aufschrieb, „heute beginnt das Mittelalter“, sondern WIR geben ja HEUTE den vergangenen Zeiten Namen. Dies Nomenklatur einer Zeitspanne hilft uns, uns darüber zu unterhalten oder für die Welt der Vergangenheit eine Vorstellung zu entwickeln.

Zeitgeschichtliche Abschnitte oder Epochen werden meist an bestimmten Ereignissen oder Inhalten festgemacht und definiert. Hierfür eignen sich unter anderem:

  • kulturelle
  • religiöse
  • militärische
  • geologische
Ereignisse und Inhalte
die einen bestimmten Zeitrahmen markieren oder in ihm dominieren.

Die Wahl dieser Inhalte oder Ereignisse, welche zur Bestimmung und Definition einer Zeitspanne herangezogen werden, sind sehr von der subjektiven Art und Weise des Betrachtens abhängig. Ein Militär sieht die Dinge sicher Anders, als ein Geistlicher, und ein Mensch, der die Welt versucht aus der Sicht der Menschen damals zu betrachten auch wieder. Doch eigenartigerweise sind sich die Daten trotzdem sehr nahe.

Datierungsmodelle

In den Geschichtswissenschaften gibt es unterscheideliche Datierungsmodelle, auf die wir später noch einmal näher eingehen werden.

Andere Periodisierungsmodelle

  • Fernand Braudel: La longue Durée (dt.: Lange Dauer)
    Die 'lange Dauer' entzieht sich der menschlichen Wahrnehmung. Z.B. Menschen werden Größer, Klima, Ernährung, med. Versorgung, etc.
  • Otto Brunner: Alteuropa bzw. Altständisches Europa
  • innereuropäische Entwicklungsunterschiede

Für das Mittelalter gilt konventionell: 500 - 1500

  • Frühmittelalter : 500 - 900
  • Hochmittelalter : 900 - 1250
  • Spätmittelalter : 1250 - 1500

Ereignissgeschichtliche Einteilung (konventionell)

Die moderne Geschichtswissenschaft neigt heute eher dazu, die Übergänge
von Alte Zeit / Antike zum Mittelalter und vom Mittelalter zur Neuzeit
als einen Prozess zu sehen, der sich über 300 - 400 Jahre erstreckt
und nicht an einem Datum festgemacht wird.
 

Beginn des Mittelalters

  • 308-337: Reg.-Zeit Ks. Konstantins
  • 313: Toleranzedikt von Mailand, Anerkennung des Christentums
  • 324: Sieg Konstantins über Licinius
  • 375: Einfall der Hunnen in Westeuropa
  • 378: Schlacht bei Adrianopel (heute Edirne in Türkei): Niederlage Ks. Valens gg. Westgoten
  • 394: Ende der olympischen Spiele
  • 395: Tod Ks. Theodosius, Teilung des Römischen Reichs
  • 410: Eroberung Roms durch Westgoten
  • 476: Absetzung des Romulus Augustulus, des letzten weströmischen Kaisers, durch Odoaker
  • 482: Herrschaftsantritt Chlodwigs im Merowingerreich
  • 529: Schließung der Akademie in Athen
  • 622: Hedschra/Hidjra Mohammeds (Auswanderung Mohammeds u. Anhänger von Mekka nach Medina)
  • 633: Beginn der islamischen Expansion
  • 711: Landung der Araber in Spanien
  • 750: (um) Beginn der zweiten Christianisierung

Ende des Mittelalters

  • 1452 letzte Kaiserkrönung in Rom
  • 1453 Fall Konstantinopels
  • 1454 Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen, metallenen Lettern
  • 1477 Vereinigung Habsburg mit Burgund
    • a. besonders Erfolgreiche Dynastie, hat es geschafft, große Teile Europas zu beherrschen: - Niederlande, Spanien, Belgien, Luxemburg, Nordfrankreich, (alte Niederlande), iberische Halbinsel, Ostfrankreich, bis nach Bern
  • 1492 Entdeckung Amerikas
  • 1493 Tod Kaiser Friedrichs III.
    • a. [Mit Maximilian I. Beginnt die Neuzeit]
  • 1494 Einfall König Karls VIII. von Frankreich in Italien
    • Reaktion auf Habsburger Ausdehnung
  • 1517ff. Reformation
    • Luther / Thesen : Luther verstand sich nicht als Reformer, sondern als gutes Mitglied der alten Kirche. Erst im laufe der Jahre erkennt Luther den Umfang und die Bedeutung der Differenzen.

Entstehung des begriffes Mittelalter

Der Begriff von "dem Mittelalter" entstand in der Zeit des Humanismus/Renaissance und der Reformation.
  • Francesco Petrarca (1304-1347)
  • Giovanni Andrea´ Bussi (n.bek.)
  • Christoph Cellarius (1638-1707)

Aber zurück zur subjektiven Betrachtung.
Nehmen wir ein Beispiel:
Fragen wir einfach ein paar hundert Menschen, was ihnen zum Thema Mittelalter als ehestes einfällt.
So könnte die Antwort   „Ritter“ lauten. Fragen wir nun danach, was einen „Ritter“ ausmacht, kommen wir vielleicht zur Rüstung.
Betrachten wir nun den Zeitraum, in dem schwere Vollrüstungen zum tragen kamen, liegen wir wohl in der Zeit   von etwa 1400 an bis, nehmen wir den Fall / Aufgabe der Insel Rhodos, Dezember 1522 an, könnte man das Mittelalter von 1400 bis 1522 rechnen.
Tut aber keiner.

Was im Mittelalter wirklich dominierte, das war die christliche Religion mit Ihren „Blüten“, die unter anderem jede Form von Wissenschaft (Geistig, Technisch, Natur), unterband. Was zu einem Stillstand wissenschaftlicher, technischer und geistiger Entwicklung führte und zu einem Tunnelblick der gläubigen Gemeinschaft.
Der Begriff „dunkles Mittelalter“ bezieht sich gerade auf diesen Umstand, der geistigen Selbsteinschränkung. Was keineswegs bedeutet, das die Menschen dumm waren!
Nehmen wir nun diesen überaus dominierenden Aspekt der kulturellen und religiösen Welt, da hier ein enger Zusammenhang besteht, benötigen wir jetzt Eckdaten,   an denen wir Beginn und Ende dieses Effektes anbinden können.
Das Ende läst sich leicht finden.
Wir wählen ein kulturelles Ereignisse, das die Aufklärung   und Bildung vieler Menschen vereinfachte oder möglich machte und auch voran trieb. Genau, der Massenbuchdruck. Durch die Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen, metallenen Lettern, Gutenberg 1450.   Der Beginn vom Ende, sozusagen.
Was war nun das Ereignisse, an dem wir den Beginn festmachen können?
Betrachten wir die Zeit des 8. Jh.
Zu dieser Zeit existierte das Christentum nur in Rom, im restlichem Europa, also auch im ostfränkischem Reich, rannten einige missionierende Mönche umher, der bekannteste mag vielleicht Bonifatius gewesen sein, die die Bevölkerung zum Christentum bekehren wollten.
Um diesem Vorschub zu leisten und wohl auch um Macht zu demonstrieren, ließ Rom 750 sein nördlichstes (?) Kloster gründen, welches im ostfränkische Reich auch gleichzeitig das größte war. Das Kloster Fulda.
Nur vier Jahre später wurde o.g. Bonifatius in Friesland getötet.( Er hatte die Angewohnheit, „heilige Bäume“ zu fällen, was den Unmut der „Heiden“ schürte. Tja, und der in Friesland, war wohl einer zuviel.). Er starb den Märtyrertod und wurde heilig gesprochen.
Hiermit nahm die massive Christianisierung Ihren Anfang. Mit allen Blüten und Auswirkungen, die wir heute kennen. Nehmen wir dies als Beginn des Mittelalters, so ergibt sich für das Mittelalter 750 – 1450, vorher die Alte Zeit und hinterher die Neuzeit, beginnend mit der Renaissance, die Zeit der Aufklärung und Umstürze begann.
Diese Zusammenfassung der Begründung ist sicher nur eine Zusammenfassung der markantesten Aspekte dieser Zeitpunkte und es gibt noch eine Menge andere Aspekte und Zusammenhänge, wie z.B. Grundlage für das Kaisertum.
Natürlich kann man auch anderes Aspekte der kulturellen, geschichtlichen, religiösen oder militärischen Ereignisse heranziehen. Z.B den Einsatz von Schwarzpulver als Grundlage der Waffentechnik im 15. Jh., oder..., oder..., oder...
Doch ist der gewählte Ausdruck der Zeitspanne wohl der dominanteste für die Kultur und das Leben der Menschen.
Daher haben wir uns entschlossen, dieser Lehrmeinung zu folgen und definieren das Mittelalter von 750 – 1450.

Wir sehen das weitere so:
Nun gibt es die Epochen und deren Unterteilungen, als
Beispiel:
- Die Völkerwanderungszeit lag in der Alte Zeit,
- die Wikingerzeit im Mittelalter
- die Renaissance in der Neuzeit

Vielleicht lösen sich ja mit dieser Definition einige Fragen und Verständnisschwierigkeiten auf.
Geschichte ist eben keine Wissenschaft, in der wir mit Laborversuchen und mit physikalischen Methoden eindeutig Messen können.
Menschen von heute beurteilen Dinge, Ereignisse und Menschen, die vor hunderter, ja gar tausenden von Jahren gelebt haben. Wenn ein Mann von heute auf einem Pferd in römischer Rüstung von Rom nach Trier reitet, und dafür zwei Monate braucht und hinterher ärztliche Versorgung, dann dürfen wir nicht daraus ableiten, auch wenn jener das glaubt, das ein römischer Legionär auch zwei Monate gebraucht hat und hinterher ins Lazarett mußte, oder das dies gar nicht möglich gewesen sei. Die Rüstung und sein Pferd waren sein täglich Brot. Er hat nicht die meiste Zeit an einem Schreibtisch gesessen sondern auf dem Übungsplatz mit Schild, Gladius und Pilum trainiert, in seiner Rüstung.
(Eine der kürzesten Entfernungen HEUTE beträgt rund 1280 km,   bei zwei Monaten wären das durchschnittlich 20 Km pro Tag. Wer weiß, ob unser Römer damals wirklich die kürzeste Strecke genommen hat. Die Ansicht der geografischen Welt war schon anders als heute.)
Wir wissen heute, das römische Legionen durchaus in der Lage waren pro Tag 60 bis 80 km zurückzulegen!
Und das mit allem, was ein Legionär so zu tragen hatte!
Zuf Fuß ! Nicht mit der Eseinbahn oder Truppentransportern.

Im Original nachzulesen bei: http://www.mittelalter-server.de/mittelalter/Beginn-Mitellalter.htm

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